Arabische Führer tolerieren Irakregierung

15. August 2003, 15:26
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Kooperation ohne Anerkennung: Kairo, Damaskus und Riad akzeptieren Regierungsrat

Amerikanischer Druck und UN-Generalsekretär Kofi Annans Bemühungen um eine Anerkennung des provisorischen irakischen Regierungsrates haben in den arabischen Hauptstädten offenbar ein Umdenken ausgelöst.

Nach einem rasch anberaumten Treffen des saudischen Kronprinzen Abdallah und des syrischen Außenministers Farouk al-Sharaa mit Präsident Hosni Mubarak zu Wochenbeginn in Kairo gaben die großen drei unter den arabischen Staaten bekannt, dass man künftig mit dem irakischen Regierungsrat zusammenarbeiten werde - allerdings ohne ihn als legitime Regierung zu anerkennen.

Unwirsch hatte Washington vergangene Woche auf den Entscheid der arabischen Länder reagiert, vorläufig abzuwarten und sich nicht im Irak zu engagieren. Die US-Regierung hatte zuvor einen Brief an die arabischen Staaten gerichtet und auf die Entsendung von Truppen in den Irak gedrängt. Doch weder dies noch eine politische Anerkennung des von den USA eingesetzten Regierungsrates wollten die Außenminister der Liga zugestehen. Diese Weigerung sei bedauerlich, erklärte US-Außenminister Colin Powell, man werde den Arabern aber eine zweite Chance geben und in den nächsten Wochen "eng mit der Liga zusammenarbeiten".

Washington droht

Für viele klang das wie eine Drohung. Dabei hatten die arabischen Führer die für sie heiklen Punkte gar nicht erst offiziell zu Protokoll gebracht: den Widerstand im Irak gegen die amerikanische Besatzung oder die Tötung der beiden Saddam-Söhne durch die USA. Es wurde auch kein Entscheid darüber gefällt, was mit dem irakischen Geld geschehen soll, das in den arabischen Ländern eingefroren wurde und wie der irakische Sitz bei der Arabischen Liga besetzt werden soll.

Arabische Soldaten zwischen irakischen Widerstandskämpfern auf der einen und der amerikanischen und britischen Armee auf der andern, ist aber eine Vorstellung, mit der sich niemand in der Liga anfreunden kann. Die gegenwärtige Situation im Irak bringe die arabischen Länder in eine schwierige Position, erklärte Liga-Generalsekretär Amr Moussa.

Doch andererseits waren die Positionen der einzelnen Länder während des Irakkrieges ganz unterschiedlich. Die kleinen Golfstaaten unterstützten die USA aktiv, Ägypten und Jordanien leisteten logistische Hilfe und Syrien war ein erbitterter Gegner der Invasion. Nach dem Fall des Regimes verfolgen die arabischen Länder mehrere Ziele, die nur schwer unter einen Hut zu bringen sind. Solange der Konflikt noch schwelt, möchte sich niemand einmischen; man will aber auch die USA nicht verärgern. Das gilt sogar für Hardliner wie Syrien, und dennoch möchten die arabischen Länder sicherstellen, dass sie am politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau beteiligt sind. Mit der Erklärung, vorerst mit dem Regierungsrat zusammenzuarbeiten, haben die drei arabischen Schwergewichte einen ersten Schritt gemacht.

Druck der Extremisten

Falls die UNO, wie Annan es fordert, den Regierungsrat als legitime Vertretung anerkennt, könnten auch die arabischen Staaten folgen. Der Balanceakt der arabischen Regierungen ist heikel, denn in großen Teilen der Bevölkerung wird der Bagdader Regierungsrat nur als amerikanische Marionette angesehen. Extremisten in den einzelnen Ländern warnen ihre Regierungen vor einer Kooperation. (DER STANDARD, Printausgabe, 14.8.2003)

Von Astrid Frefel aus Kairo
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