Hitzelähmung und Preisverfall

18. August 2003, 16:16
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Binnen zwei Wochen will sich der Textilhandel komplett auf den Herbst einstellen - Bei der Sommerware werden die letzten Lager ausgeräumt, die Preise sind im Keller

Wien - "Wollen Sie bei dieser Hitze einen Anzug probieren?", fragt Guido-Eric Wolfram, Chef der Textilkette Schöps, rhetorisch zurück, wenn man ihn nach der derzeitigen Kauflust im Textilhandel im Allgemeinen fragt. Auch C&A-Sprecher Herbert Asamer gibt zu: "Die Frequenz ist derzeit eher dürftig." Don-Gil-Sprecherin Angela Pengl-Böhm: "Das Herbstgeschäft fängt zäh an."

Martin Zieger, Österreich-Chef der Schweizer Bekleidungskette Charles Vögele, illustriert zwischenzeitliche Hitzelähmungen im Modelhandel im STANDARD-Gespräch so: "Bei den zwei kühleren Tagen vor zwei Wochen sind wir fast gestürmt worden." Vögele habe einzelne Sommerteile sogar nachordern müssen.

"Preise sind unten"

Typische Sommerware - wie T-Shirts oder Röcke - werden zwar schon seit Ende Juni, in manchen Fällen schon seit Ende Mai, zu ermäßigten Preisen abverkauft. Jetzt haben die Händler aber die Chance, die letzten Lagerposten rauszudrücken. Weil aber - so Branchenbeobachter - der Ausverkauf mit Preisreduktionen bis zu siebzig Prozent heuer so früh wie noch nie zuvor begonnen hat, "sind die Preise unten", so Wolfram. Filialisierte Diskonter wie H&M oder Vögele bieten mittlerweile T-Shirts um 1,90 Euro an.

"Wir haben da kein Bedürfnis mitzumachen", sagt Marc Wieser, Chef des Benetton-Megastore auf der Wiener Mariahilfer Straße. "Wir stellen das Geschäft derzeit komplett auf Herbst/Winter um, denn Geld machen kann man nur damit." C&A rüstet sich auch für den Schulanfang und eröffnet in dem Zusammenhang auch erstmalig in Österreich reine Kindermodegeschäfte - im steirischen Fohnsdorf sowie in Kirchdorf an der Krems.

In Geschäften mit höherpreisigen Marken ist das Interesse an Herbstware offensichtlich höher: "Es wundert mich, dass die Herbstware, wenn auch nicht im Übermaß, aber doch gut geht - für diese Wetterlage", meint Karl Fürnkranz vom gleichnamigen Wiener Traditionshaus. Myung Il Saba-Song, Inhaberin einer der hippsten Stadtadressen für Designerstücke am Bauernmarkt in Wien, sagt: "Zu uns kommen die Leute alleine wegen der neuen Kollektionen rein. Aber wir haben auch spezielle Kunden." (Leo Szemeliker, Der Standard, Printausgabe, 14.08.2003)

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    Nur die wenigsten kayufen Pullover oder Schals

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