Geiseldrama bleibt ein Zittern bis zuletzt

18. August 2003, 21:08
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Keine Gewissheit über Verbleib der 14 Touristen - Malische Militärkreise: Geiseln "definitiv frei", aber koordinatorische Probleme

Das erhoffte Ende des seit sechs Monaten andauernden Geiseldramas in der Sahara hat sich am Montag überraschend weiter verzögert. Nachdem die Rückkehr der 14 Sahara-Geiseln aus dem Norden Malis in die Hauptstadt Bamako schon am Sonntagabend ein erstes Mal geplatzt war, warteten Angehörige und Diplomaten auch am Montagnachmittag zunächst vergebens auf die erlösende Meldung von der offiziellen Übergabe.

"Stillstand" Zunächst war fest mit der Übergabe der Geiseln am späten Vormittag gerechnet worden. Dann hieß es, es gebe einen Stillstand. Der ins Auge gefasste Zeitraum sei nicht mehr haltbar, war aus Kreisen der Unterhändler in Bamako zu erfahren. Es gebe noch keine gesicherten Erkenntnisse, dass die Touristen bereits von ihren Entführern an Mittelsmänner übergeben worden seien. Es sei unklar, in wessen Händen sich die Geiseln zurzeit befänden.

Militärkreise in Mali behaupteten dagegen, die Geiseln seien "definitv frei". Es funktioniere aber nicht mit der Koordination, die einzelnen Urlauber aus weit voneinander entfernt liegenden Regionen zusammenzubringen. "Aber sie sind zu hundert Prozent in malischen Händen und damit frei." Die Zusammenführung der befreiten Touristen werde durch schlechtes Wetter erschwert, es habe stark geregnet, hieß es.

Transall-Maschine steht in Gao bereit

Der deutsche Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, und andere deutsche Diplomaten in Bamako gaben die Hoffnung nicht auf, dass die Rückkehr der Geiseln doch noch am Montag über die Bühne gehen könnte. Der Airbus der Bundeswehr, der in Bamako für den Rückflug der Geiseln nach Köln bereit stand, wurde am Nachmittag mit Verpflegung für die Fluggäste ausgerüstet. "Wir befinden uns in einer wichtigen Endphase", sagte Bela Anda, der Sprecher der Bundesregierung, in Berlin.

Es war geplant, die Geiseln in Tessalit im Norden Malis zusammenzuführen und zunächst mit einer Antonov des malischen Militärs nach Gao im Nordwesten zu bringen. Dort stand eine Transall-Maschine der Bundeswehr bereit, um die Freigelassenen an Bord zu nehmen und in die malische Hauptstadt Bamako zu fliegen.

Von dort aus sollen sie nach medizinischer Erstversorgung in ihre Heimatländer gebracht werden.

Lösegeld von 4,6 Millionen Euro

Nach einem Bericht der malischen Zeitung L'independent sollen die einer radikalislamistischen Gruppe aus Algerien angehörenden Entführer ein Lösegeld in Höhe von umgerechnet 4,6 Millionen Euro erhalten haben. Die Bundesregierung sagt dagegen offiziell, es sei kein Lösegeld gezahlt worden.

Tod durch Hitzschlag

Insgesamt waren zuletzt neun Touristen aus Deutschland, vier Schweizer und ein Niederländer in der Hand der Entführer. Sie waren am

22. Februar und am 8. März gemeinsam mit anderen Europäern im algerischen Teil der Sahara verschleppt worden.

17 Geiseln wurden Mitte Mai in Algerien befreit. Eine Gefangene, die 46 Jahre alte Deutsche Michaela Spitzer, starb am 29. Juni, wahrscheinlich an einem Hitzschlag. (dpa, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 29.8.2003)

Heimkehr am Montag unwahrscheinlich: Wegen der mehrstündigen Inlandsflüge nach einer Freilassung in Mali und der rund sechsstündigen Flugreise nach Deutschland dürften die Touristen frühestens am Dienstag wieder in ihrer Heimat eintreffen.
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Deutsches Flugzeug wartet am Flughafen in Bamako.

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