Älteste alpine Burganlage entdeckt

18. August 2003, 19:16
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Montafoner Befestigung stammt aus dem 16. oder 15. Jahrhundert vor Christus

Bregenz - Bei archäologischen Ausgrabungen der Freien Universität Berlin unter Leitung von Rüdiger Krause wurden in Bartholomäberg im Montafon (Bezirk Bludenz) Reste einer befestigten Burganlage aus dem 16./15. Jahrhundert vor Christus entdeckt. Es handelt sich laut Krause um die "älteste bekannte Burganlage in den Alpen".

Die Anlage

Die 3.500 Jahre alte Burgsiedlung aus der Bronzezeit liegt hoch über dem Schrunser Becken auf 940 m Seehöhe und wird mit den reichen Kupfererzlagerstätten am Bartholomäberg und im Silbertal in Zusammenhang gebracht. Eine 80 Meter lange und bis knapp drei Meter breite Mauer schützte die kleine Burgsiedlung, in der sechs bis acht Blockbauten in einer Art Reihenhaussiedlung angeordnet waren.

Die Mauer stellte mit einer ursprünglichen Höhe von zwei bis drei Metern ein gewaltiges Bauwerk dar, das nicht nur als Befestigung diente, sondern nach Ansicht der Archäologen auch Prestige und Macht ihrer Bewohner verdeutlichte. Keramikscherben, Bronzenadeln, Teile von Hausgrundrissen und Feuerstellen sind Zeugnisse der bronzezeitlichen Siedler.

Rekonstruktionsversuche

In einem interdisziplinären Forschungsprojekt mit Klaus Oeggl vom Botanischen Institut der Universität Innsbruck und Ernst Pernicka vom Institut für Archäometallurgie der Bergakademie in Freiberg/Sachsen werden die wirtschaftlichen Grundlagen (Kupfererzbergbau) und der Lebensraum in prähistorischer Zeit zu rekonstruieren versucht.

Die vegetationskundlichen Untersuchungen an Moorprofilen zeigen, dass die älteste Besiedlung bereits um 2.900 v. Chr. begann und dann ab 2.500 v. Chr. in der frühen Bronzezeit an Intensität zunahm.

Der Alpenraum zur Bronzezeit

Die archäologischen Ausgrabungen betrafen den Beginn der mittleren Bronzezeit und stellen somit die älteste befestigte Burgsiedlung in den Alpen dar. Mit weiteren Ausgrabung alter Bergbauspuren im hinteren Silbertal sind die Wissenschafter den bronzezeitlichen Bergleuten auf der Spur. Die bronzezeitliche Besiedlung des Montafons mit seinen Passverbindungen in den inneralpinen Raum und mit dem Abbau und der Verarbeitung von Kupfererzen - einem begehrten und wertvollen Rohstoff dieser Zeit- stehen laut Krause in einem engen Zusammenhang. (APA)

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