Näher und heller als gewohnt

15. August 2003, 12:00
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Details der Mars-Oberfläche derzeit sogar mit dem Fernrohr zu sehen - Wissenswertes über den Roten Planeten

Wien- Am 27. August kommt uns der Nachbarplanet Mars so nahe wie schon lange nicht. "Nur" noch 55,76 Millionen Kilometer werden es sein, aus astronomisscher Sicht ein Katzensprung. Die relative Nähe erfreut dabei aber nicht nur Astronomen und Raumfahrtexperten - sowohl ESA als auch NASA haben je eine Sonde unterwegs -, am nächtlichen Himmel ist der Mars besonders hell als orange-gelbes Scheibchen zu sehen.

Blickfang

In den Abendstunden gegen 22.30 Uhr steht der Mars derzeit niedrig und relativ einsam im Südosten - für Experten: in der Nähe des Sternbilds Wassermann. Bis Mitternacht steigt er höher und zieht dabei Richtung Südsüdosten. "Der Mars ist derzeit nicht nur sehr groß am Himmel, es sind auch kaum größere Sterne in der Nähe, was den Anblick noch eindrucksvoller macht", sagte Hermann Mucke vom Astronomischen Büro Wien. Um den 27. August wird außerdem Neumond sein.

Mucke veranstaltet - wie viele Sternwarten - im Freiluftplanetarium Wien am 23. August ab 22.00 Uhr eine Sonderführung zur Marsannäherung. Bei Schlechtwetter findet die Veranstaltung in der benachbarten Wotruba-Kirche in Wien-Liesing statt (näheres auf der Webseite des Astronomischen Büros ).

Durch die Nähe lassen sich derzeit schon mit einem leichten Fernrohr Details auf dem Mars ausmachen. Laut Auskunft der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie tut sich derzeit einiges auf dem Roten Planeten, so schmilzt die südliche Polkappe und bricht auseinander. Wer genau hinsehe, könne sogar aufsteigenden bläulichen Dunst über der Planetenlandschaft sehen.

Auf den Bahnen

Dass die Entfernung Erde - Mars nicht nur im Jahresgang schwankt, liegt daran, dass die beiden Planeten nicht in Kreisbahnen um die Sonne rasen. Vielmehr sind es ellipsenförmige Orbits, die Planeten kommen im Laufe von Jahrhunderten und Jahrtausenden einander näher und entfernen sich auch wieder von einander.

Derzeit überholt die Erde ihren äußeren Nachbarn auf der Innenbahn. Das letzte Mal, dass es zu einer ähnlichen Annäherung kam, war vor knapp 60.000 Jahren. Im Jahr 2287 - diesmal am 28. August - werden Mars und Erde einen noch kleineren Abstand haben, nämlich 55,69 Millionen Kilometer.

Topographie eines Nachbarn

Der Mars ist mit einem Durchmesser von knapp 6.800 Kilometern etwa halb so groß wie die Erde. Die mittlere Entfernung von der Sonne beträgt rund 1,5 Astronomische Einheiten (AE), wobei eine AE die mittlere Entfernung Erde-Sonne ist. Was die Eigenrotation angeht, sind Mars und Erde einander fast ebenbürtig, ein Marstag dauert etwa um eine halbe Stunde länger.

Die Atmosphäre des Roten Planeten ist extrem dünn und hat nur ein Prozent der Dichte der irdischen Lufthülle. Sie besteht zu 95 Prozent aus Kohlendioxid, 2,5 Prozent macht molekularer Stickstoff aus. Der Rest besteht aus Spurengasen, der Wasserdampfanteil wird mit 0,05 Prozent angegeben.

Kalte Welt

Die Temperaturen am Mars sind ebenso wenig einladend wie die Temperaturschwankungen. So kann die Quecksilbersäule - sofern vorhanden - im Marssommer zu Mittag (Sonne im Zenit) kurz auf 20 Grad über Null steigen, aber bereits zu Sonnenuntergang sind bereits wieder tiefe Minusgrade erreicht. In den frühen Morgenstunden sind es Werte bis zu minus 100 Grad. Bereits in einem halben Meter Tiefe herrschen durchgehend frostige 60 Grad unter Null.

Wie auf der Erde sind die Polkappen des Roten Planeten vereist. Nicht endgültig geklärt ist, um welche Art von Eis es sich handelt. Auswertungen von Fotos der NASA-Sonde "Mars Global Surveyor" legen den Schluss nahe, dass der Nordpol des Mars mit Wassereis, der Südpol hingegen mit Kohlendioxideis bedeckt ist.

Erosionsspuren

Ebenso mit Fragezeichen behaftet sind Erosionsspuren auf dem Mars, die von zahlreichen Wissenschaftern als ehemalige Flüsse, Seen und Meere gedeutet werden. Bisherige Aufnahmen konnten die Thesen teilweise bestätigen. Auch Theorien, wonach es heute auf dem Mars noch Meere und Seen unter der Oberfläche geben könnte, wurden bisher nicht bewiesen.

Angesichts der Weiterentwicklung von Robotertechnik und unbemannten Sonden hoffen die Forscher daher, endlich Proben vom Mars auf die zu Erde bringen und in gut ausgestatteten - und wohltemperierten - Labors untersuchen zu können. Nach Plänen von Forschern könnte das frühestens in zehn bis 15 Jahren der Fall sein. Noch länger dürfte es dauern, bis Menschen ihren Fuß auf den Marsboden setzen.

Probleme

Wie die jüngsten Sondenausfälle in den vergangenen Jahren zeigen, ist ein Marsflug bei weitem noch keine Routine. Ungelöst ist auch das Problem der Weltraumstrahlung, der ein Astro- oder Kosmonaut während eines Marsfluges ausgesetzt wäre. Laut Schätzungen von Forschern könnte beim derzeitigen Stand der Technik die Hälfte der Besatzung an Strahlenschäden sterben. (APA)

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