Ex-Diagonale-Intendantin plant Forum für innovative Produktionen - Diagonale weiter ohne Konzept
Linz - Während für das nächste Diagonale-Filmfestival noch
immer keine Pläne veröffentlicht sind, wendet sich dessen ehemalige
Co-Leiterin Christine Dollhofer einer neuen Aufgabe zu. Im Linzer
Programmkino Moviemento wurde am Mittwoch das Konzept für ein
"Europäisches Filmfestival für Linz und Oberösterreich"
(Arbeitstitel) vorgestellt. Im Frühjahr 2004 soll die erste Ausgabe
des neuen, jährlich geplanten Festivals, über die Bühne gehen, das
innerhalb von sechs Tagen rund 70 Programme präsentieren wird.
Das Festival möchte, so die Veranstalter, "die historischen
Veränderungen auf diesem Kontinent durch die Präsentation
europäischer Filmlandschaften kulturell begleiten". "Das
Hauptaugenmerk des Programms soll auf aktuelle innovative europäische
Kinofilmproduktionen gelegt werden, die gesellschaftspolitische und
soziale Realitäten, territoriale Umbrüche im gegenwärtigen Europa
spiegeln. Österreichpremieren und Previews werden angestrebt, in
zahlreicher Anwesenheit der FilmregisseurInnen, um für
Diskussionen/Interviews/Publikumsgespräche zur Verfügung zu stehen",
heißt es im Pressetext.
Das neue Festival, das auch in Zusammenhang mit der Bewerbung von
Linz als Kulturhauptstadt Europas 2009 zu sehen ist, richtet sich
sowohl an das Kinopublikum als auch an Filmfachleute und möchte auch
eine Präsentationsmöglichkeit für die die Oberösterreichische
Filmszene, die Hochschule für künstlerische und industrielle
Gestaltung in Linz sowie für Nachwuchstalente darstellen.
Crossing Europe
In einem "Wettbewerb Europäisches Kino - Perspektiven" sollen acht
bis zehn aktuelle europäische Kinofilme (Spiel- und Dokumentarfilm)
gezeigt werden, wobei das "Hauptaugenmerk auf Arbeiten von jungen
RegisseurInnen gelegt" wird, "die innovatives Filmschaffen verfolgen,
Perspektiven des zukünftigen europäischen Kinos eröffnen und sich
auch thematisch mit dem Europa der Gegenwart auseinander setzen."
Die
Sektion "Panorama Europa - Crossing Europe" soll einen jährlich
wechselnden Länder/Regionen-Fokus durch europäische Filmlandschaften
bieten. Auch für kurze, innovative Film- und Videoproduktionen soll
es einen Wettbewerb geben, unter dem Titel "Atelier" werden einzelne
FilmkünstlerInnen vorgestellt. Der Auftakt 2004 ist dem
Avantgardefilmkünstler Siegfried A. Fruhauf gewidmet.
"Glückliche Fügung"
Im Anschluss an das Festival in Linz soll ein Tourprogramm in den
Programmkinos in Lenzing, Katsdorf, Freistadt, Ebensee und Wels
angeboten werden.
Als Konkurrenzveranstaltung zur Diagonale verstehen die
Veranstalter und Dollhofer das Linzer Festival keineswegs. Die Idee
dazu bestehe schon seit über zehn Jahren, so
"Moviemento"-Geschäftsführer Wolfgang Steininger,
und sei bereits vergangenen Jänner, also vor der Ausschreibung der
neuen Diagonale-Leitung, in einer Pressekonferenz vorgestellt worden.
Dass Dollhofer nun als Intendantin zur Verfügung stehe, sei eine
"glückliche Fügung".
Diagonale noch ohne Konzept
Das Linzer Festival habe auch ein völlig anderes Profil und andere
Aufgaben als die Diagonale, betont Dollhofer - wobei
für das Grazer Festival 2004 noch immer kein Konzept
vorliegt. Auf die briefliche Bitte nach Vorlage eines solchen hätten
die beiden vom Staatssekretariat berufenen neuen Intendanten Miroljub
Vuckovic und Tillmann Fuchs bisher nicht reagiert. Der
"Diagonale"-Trägerverein "Forum österreichischer Film" habe daher
ihre Bestellung immer noch nicht vorgenommen.
Das Linzer Festival soll laut Dollhofer "auf jeden Fall nach der
Diagonale", Ende April oder Anfang Mai, stattfinden. Wegen der
Finanzierung sei man in Verhandlungen mit der Stadt Linz und dem Land
Oberösterreich, werde sich aber auch an den Bund wenden. (APA)