Christine Dollhofer leitet ab 2004 europäisches Filmfestival in Linz

Redaktion, 16. September 2003, 11:06

Ex-Diagonale-Intendantin plant Forum für innovative Produktionen - Diagonale weiter ohne Konzept

Linz - Während für das nächste Diagonale-Filmfestival noch immer keine Pläne veröffentlicht sind, wendet sich dessen ehemalige Co-Leiterin Christine Dollhofer einer neuen Aufgabe zu. Im Linzer Programmkino Moviemento wurde am Mittwoch das Konzept für ein "Europäisches Filmfestival für Linz und Oberösterreich" (Arbeitstitel) vorgestellt. Im Frühjahr 2004 soll die erste Ausgabe des neuen, jährlich geplanten Festivals, über die Bühne gehen, das innerhalb von sechs Tagen rund 70 Programme präsentieren wird.

Das Festival möchte, so die Veranstalter, "die historischen Veränderungen auf diesem Kontinent durch die Präsentation europäischer Filmlandschaften kulturell begleiten". "Das Hauptaugenmerk des Programms soll auf aktuelle innovative europäische Kinofilmproduktionen gelegt werden, die gesellschaftspolitische und soziale Realitäten, territoriale Umbrüche im gegenwärtigen Europa spiegeln. Österreichpremieren und Previews werden angestrebt, in zahlreicher Anwesenheit der FilmregisseurInnen, um für Diskussionen/Interviews/Publikumsgespräche zur Verfügung zu stehen", heißt es im Pressetext.

Das neue Festival, das auch in Zusammenhang mit der Bewerbung von Linz als Kulturhauptstadt Europas 2009 zu sehen ist, richtet sich sowohl an das Kinopublikum als auch an Filmfachleute und möchte auch eine Präsentationsmöglichkeit für die die Oberösterreichische Filmszene, die Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz sowie für Nachwuchstalente darstellen.

Crossing Europe

In einem "Wettbewerb Europäisches Kino - Perspektiven" sollen acht bis zehn aktuelle europäische Kinofilme (Spiel- und Dokumentarfilm) gezeigt werden, wobei das "Hauptaugenmerk auf Arbeiten von jungen RegisseurInnen gelegt" wird, "die innovatives Filmschaffen verfolgen, Perspektiven des zukünftigen europäischen Kinos eröffnen und sich auch thematisch mit dem Europa der Gegenwart auseinander setzen."

Die Sektion "Panorama Europa - Crossing Europe" soll einen jährlich wechselnden Länder/Regionen-Fokus durch europäische Filmlandschaften bieten. Auch für kurze, innovative Film- und Videoproduktionen soll es einen Wettbewerb geben, unter dem Titel "Atelier" werden einzelne FilmkünstlerInnen vorgestellt. Der Auftakt 2004 ist dem Avantgardefilmkünstler Siegfried A. Fruhauf gewidmet.

"Glückliche Fügung"

Im Anschluss an das Festival in Linz soll ein Tourprogramm in den Programmkinos in Lenzing, Katsdorf, Freistadt, Ebensee und Wels angeboten werden.

Als Konkurrenzveranstaltung zur Diagonale verstehen die Veranstalter und Dollhofer das Linzer Festival keineswegs. Die Idee dazu bestehe schon seit über zehn Jahren, so "Moviemento"-Geschäftsführer Wolfgang Steininger, und sei bereits vergangenen Jänner, also vor der Ausschreibung der neuen Diagonale-Leitung, in einer Pressekonferenz vorgestellt worden. Dass Dollhofer nun als Intendantin zur Verfügung stehe, sei eine "glückliche Fügung".

Diagonale noch ohne Konzept

Das Linzer Festival habe auch ein völlig anderes Profil und andere Aufgaben als die Diagonale, betont Dollhofer - wobei für das Grazer Festival 2004 noch immer kein Konzept vorliegt. Auf die briefliche Bitte nach Vorlage eines solchen hätten die beiden vom Staatssekretariat berufenen neuen Intendanten Miroljub Vuckovic und Tillmann Fuchs bisher nicht reagiert. Der "Diagonale"-Trägerverein "Forum österreichischer Film" habe daher ihre Bestellung immer noch nicht vorgenommen.

Das Linzer Festival soll laut Dollhofer "auf jeden Fall nach der Diagonale", Ende April oder Anfang Mai, stattfinden. Wegen der Finanzierung sei man in Verhandlungen mit der Stadt Linz und dem Land Oberösterreich, werde sich aber auch an den Bund wenden. (APA)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.