Aus für heimische Steiff-Teddybären

18. August 2003, 17:28
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Der deutsche Teddybärenproduzent schließt Werk in Grieskirchen: "Vorteile des Standortes seien nicht mehr gegeben" - 48 Mitarbeiter betroffen

Linz - Der weltberühmte deutsche Teddybärenproduzent Steiff schließt sein Werk in Grieskirchen in Oberösterreich. Die früheren Vorteile des Standortes seien nicht mehr gegeben. Das teilte das Unternehmen in einer Presseaussendung am Mittwoch mit. 48 Mitarbeiter sind betroffen.

Steiff hatte den Standort Grieskirchen im Jahr 1965 gegründet, um die komplizierten zolltechnischen Abwicklungen des EFTA-Raumes zu vereinfachen. Die Märkte Österreich, Schweiz und Skandinavien konnten von Grieskirchen aus problemlos bedient werden. Ein weiteres Argument für den Standort war der damals deutliche Lohnkostenvorteil in Österreich. Das alles sei in der Zwischenzeit weggefallen.

Produktivitätssteigerung und Rationalisierungsmaßnahmen

Zudem werden am Firmenstammsitz in Giengen in Baden-Württemberg sowie in Grieskirchen nahezu identische Produktpaletten - nämlich traditionelle handwerkliche Produkte von sehr hoher Qualität - gefertigt. Nicht zuletzt wegen der steigenden Anforderungen an Qualität und Aufwändigkeit im Bereich des für Steiff wichtigen Sammelmarktes habe sich das Unternehmen entschieden, in Giengen ein internationales Kompetenzzentrum durch Produktivitätssteigerung und Rationalisierungsmaßnahmen aufzubauen und dort die Kapazitäten beider Werke zusammenzuführen.

Sozialfonds

Der Standort Grieskirchen soll heuer im vierten Quartal geschlossen werden. Im Frühjahr des Vorjahres waren dort noch 143 Mitarbeiter - die meisten Zeitarbeiter - beschäftigt gewesen. Sie erzeugten 300.000 Steiff-Tiere und erzielten einen Umsatz von drei Millionen Euro. Heuer hatte das Werk nur noch 48 Beschäftigte - 41 Arbeiter und sieben Angestellte, der Umsatz lag bei über 800.000 Euro. Der Belegschaftsvertretung ist ein Sozialplan angeboten worden. Er sieht laut Auskunft der Unternehmensleitung unter anderem eine doppelt so hohe Abfertigung vor, wie vertraglich vereinbart sowie die Schaffung eines Fonds zur Finanzierung von Schulungsmaßnahmen zur Höherqualifikation.

Steiff, die Marke "mit dem Knopf im Ohr", feierte im Vorjahr sein 100-jähriges Bestehen. Richard Steiff, der sich schon immer für Braunbären interessiert hatte, gelang 1902 ein großer Wurf: Zwar wurden zuvor schon Bären hergestellt, doch er versah sie als Erster mit beweglichen Gliedern. Im Jahr darauf präsentierte er den "PB 55" auf der Leipziger Frühjahrsmesse. Seinen Namen erhielt der Teddy nach dem US-Präsidenten Theodor "Teddy" Roosevelt, einem begeisterten Jäger, der sich geweigert hatte, einen angebundenen Bären zu schießen. Seither hat Steiff mehr als fünf Milliarden Teddy-Bären erzeugt. (APA)

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    Der Teddy winkt "Tschüss" und wandert nach Deutschland aus

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