Einsamer Wolf in der großen Stadt

22. August 2003, 12:51
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Der deutsche Modedesigner Wolfgang Joop hat einen Roman über die Modebranche geschrieben. Und über die unglückliche Liebe

"Im Wolfspelz" nennt sich der soeben im Eichborn-Verlag erschienene Roman von Wolfgang Joop. Es ist der erste Roman des Modedesigners, "Deutschlands berühmtesten Modeschöpfers", wie im Klappentext vermerkt wird (Karl Lagerfeld und Jil Sander werden sich schön bedanken), aber nicht sein erstes Buch. 1999 hat Joop bereits ein anderes Buch publiziert, ein Kochbuch mit dem Titel "Hectic Cuisine", eine durchaus amüsante Rezeptesammlung der Richtung "cucina povera" und Junk-Food mit autobiografischen Zutaten.

An Autobiografischem fehlt es "Im Wolfspelz" auch nicht. "Der Leser wird mir erlauben, daß ich von mir in der dritten Person berichte", meint der Ich-Erzähler im an den "lieben Freund" gerichteten Vorwort. Der Leser findet sich nach einem kurzen Rückblick auf des Autors Jugendjahre im New York der späten 90er, in dem sich der dem Business überdrüssige Modedesigner Wolf auf die Suche begibt. Nach Inspiration, nach Neuem, in Wirklichkeit nach der Liebe. Der Leser darf sich über eine Menge kaum bis gar nicht verklausulierte Seitenhiebe auf die Modebranche und ihre Darsteller freuen. In einer Boutique hängen " . . Designerstücke, die ihrem Schöpfer wohl nach einer Überdosis Prozac eingefallen waren", die Models, "Puppen" genannt, haben Wodka pur in ihren Mineralwasserflaschen, und allerorten wird das weiße Pulver mit goldenen Kreditkarten aufbereitet. Kernstück des Romans ist aber die Liebesgeschichte, die sich zwischen Wolf und dem jungen Striptease-Tänzer Skyler alias Josh abspielt, einem "blassen Jungen mit Mandelaugen", eine Geschichte, die - man ahnt es schnell - nicht glücklich werden kann.

Recht glücklich will man auch bei der Lektüre des Romans nicht werden, allzu lakonisch und simpel liest er sich zum Teil, stützt sich zu sehr auf lange Dialogszenen, und das magere Erzählgerüst fettet auch die Unmenge an Zitaten (bevorzugt diverse Psalmen), Plattitüden und Alltagsweisheiten nicht wirklich auf. Recht treffsicher zeigt sich der Autor hingegen, wenn es darum geht, Personen im Schnellzug-Verfahren zu beschreiben, da beweist er gutes Auge und zeichnerisches Talent und entwirft gelungene Sekunden-Skizzen einer Branche und ihrer Mitspieler. Und die Selbstironie, die der Autor auch noch in der Phase der unglücklichen Verliebtheit bewahrt, macht "Im Wolfspelz" dann wenigstens streckenweise zu einem halbwegs amüsanten Erlebnis.(DerStandard/rondo/mw/18/08/03)

Wolfgang Joop:
Im Schafspelz.
Eichborn 2003

€ 20,50
ISBN 3-8218-0946-9
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