Der Kontorist

24. Oktober 2003, 14:13
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Stefan Pagacs sieht sich als der Klassik verpflichteter Weinhändler. Und meint, dass es mit dem Verkauf der feinen Flaschen in Sachen Service noch lange nicht getan ist

Zum Wein sei er völlig zufällig gekommen, erzählt Stefan Pagacs, nämlich als er als gelernter Exportkaufmann vor etwa 20 Jahren für seinen Vater in der Vinothek St. Stephan ein paar Flaschen kaufen wollte, "und dort gesehen hab', dass es auch noch anderes als Brünnerstraßler gibt". Er fragte, ob die Vinothek nicht zufällig ein Mädchen für alles brauche, sie brauchten, er begann als Lieferant, machte nebenher eine Verkosterausbildung in Klosterneuburg, studierte den Weinhandel bei der Weinhandelsikone Berry Brothers in London, absolvierte die Weinakademie in Rust und unterrichtet dort seit zehn Jahren.

Eine schöne Karriere, die der 40-Jährige jedoch in Frage gestellt sah, als die Vinothek St. Stephan im Jänner dieses Jahres verkauft wurde und die neuen Besitzer mehr auf Brand-Marketing zu setzen begannen, "und für mich war das keine gute Lösung, halt nicht der alten Idee verpflichtet". Konkret wurde seine Idee, einen eigenen Weinhandel anzufangen aber erst, als er am Café Bräunerhof vorbeiging und sah, dass im Stock darüber ein Lager zu mieten war. "Es ist das definitiv erste Weinkontor Wiens", ist Stefan Pagacs nicht unstolz, und das bedeutet, dass er Büro, Verkostraum für zwölf Gäste, Lager und Keller gänzlich unter einem Dach hat, "ich bin absolut autark".

Die etwa 100 Weine, mit denen Pagacs handelt, definieren sich "in erster Linie durch Tradition, im weitesten Sinne sind es klassische Weine". Er könne da wieder ein starkes Interesse für solche Weine feststellen, sagt der Weinhändler, "der Höhepunkt der neuen Welt-Weine war vor drei, vier Jahren. Wie Shiraz und Co schmecken, ist mittlerweile reichlich bekannt". Weine, die in Österreich keiner hat oder keiner kennt, sind sein Ziel, vor allem kleine, individuelle Produzenten. Ein Prosecco aus der einzigen wirklichen Cru bei Valdobbiadene namens "Cartizze" etwa, den die Erzeuger nicht wie sonst üblich mit Chardonnay verschneiden und durch die Mikrofiltration jagen, sondern nach Champagnermethode auf Feinhefe liegen lassen - ein zwar etwas trübes, aber absolut einzigartiges Prosecco-Erlebnis.

Was Pagacs außer Weinen aber noch anbietet, ist eine Keller-Revision, denn: "Wir Weinhändler haben die vergangenen zehn Jahre ganz gut von unseren Kunden gelebt, man muss sie aber auch weiter begleiten". Soll heißen, gegen fünf Prozent des Nettowarenwertes sichtet und schlichtet Pagacs Weinkeller, schätzt sie, gibt Prognosen hinsichtlich optimalen Trinkzeitpunkts und verbliebener Kraft, listet das Ganze in eine Excel-Datei, und schon weiß man wieder, was bei einem im Keller so los ist.

Welche Pflanzen Pagacs in den Fenstern seines Weinkontors stehen haben will, stand übrigens auch recht bald fest: Sechs 40-jährige Merlot-Weinstöcke aus Bordeaux, von einem Spezialisten gehoben und eingetopft. Den Transport überstanden sie gut, kommendes Jahr rechnet er mit ein paar Trauben. (DerStandard/rondo/Florian Holzer/15/08/03

Stefan Pagacs Weinhandel
Stallburgg. 2
1010 Wien
Tel: 01/967 01 98
ab 26. August
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