Kärnten: Prozess wegen Verhetzung geplatzt

14. August 2003, 19:22
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Skinheads attackierten Schwarzafrikaner - Verteidiger erschien nicht

Klagenfurt - Wegen des Deliktes der Verhetzung hätten sich am Mittwoch drei junge Kärntner in Klagenfurt vor Gericht verantworten müssen. Einzelrichter Alfred Pasterk musste die Verhandlung jedoch sofort vertagen, da der Rechtsanwalt nicht erschienen war und stattdessen eine Konzipientin geschickt hatte, die nicht über die Berechtigung zur Vertretung vor Gericht verfügte. Staatsanwalt Emmerich Plach will nun die Anwaltskammer einschalten, die gegen den Verteidiger Disziplinarmaßnahmen prüfen soll.

Der Grund für die Anklage: im Frühjahr 2003 besuchten zwei Jugendliche und ein junger Erwachsener ein Lokal in der Bezirksstadt Spittal/Drau. Die kahl geschorenen Männer wurden von einem Schwarzafrikaner bedient, den sie laut Anklage alsbald rassistisch zu beschimpfen begannen. Sie hielten ihm eine Banane hin und sagten: "Friss das und dann ab in den Busch". Der gebürtige Afrikaner erstattete Anzeige, die Staatsanwaltschaft leitete ein Verfahren wegen Verhetzung ein. Detail am Rande: Einer der drei Skinheads hat selbst einen fremdländischen Vater.

Am Mittwoch fanden sich am Klagenfurter Landesgericht zwar alle drei Beschuldigten ein, aber nur ein Anwalt (der Vater eines der drei Angeklagten). Wenige Minuten nach Prozessbeginn stellte sich zudem heraus, dass die Konzipientin, die einer der Verteidiger als Vertretung geschickt hatte, nicht die erforderlichen Prüfungen absolviert hatte, um vor Gericht agieren zu können. Einer der Beschuldigten erschien überhaupt ohne anwaltliche Vertretung. Pasterk ließ die Verhandlung sofort vertagen, da "alles, was wir hier sagen und tun, nichtig wäre". Der Staatsanwalt kündigte an, eine Kopie der Mitschrift der Ereignisse an die Anwaltskammer zu schicken. Die Verhandlung soll Ende September oder Anfang Oktober fortgesetzt werden.

Zwei Zeugen, die aus Oberkärnten angereist waren, stöhnten ob der Aussicht, die Reise wiederholen zu müssen, laut auf. Der Staatsanwalt: "Bedanken sie sich bei der Verteidigung". (APA)

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