Berliner Ensemble: Kultursenator will vermitteln

19. August 2003, 00:54
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Klärendes Gespräch mit Peymann über dessen Zukunft angestrebt

Berlin - Der Berliner Kultursenator Thomas Flierl (PDS) setzt auf ein klärendes Gespräch mit dem Intendanten des Berliner Ensembles, Claus Peymann, über dessen Zukunft an der früheren Brecht-Bühne. Daran könnte auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) teilnehmen.

Er könne die Lottomittel nicht aus dem Kulturhaushalt kompensieren, sagte Flierl zur Drohung Peymanns, sein Theater vorzeitig zu verlassen. Dieser hatte kürzlich gewarnt, dass das Berliner Ensemble bei einem Fortfall der Lottomittel von 2005 an künstlerisch nicht mehr arbeiten könne. Er werde die Intendanz in diesem Fall vorzeitig niederlegen. Peymann hatte von einem Vertragsbruch gesprochen und Wowereit vorgehalten, ein persönliches Gespräch zu verweigern.

Das Berliner Ensemble (BE) erhält in den kommenden zwei Jahren weniger Geld aus Mitteln der Lotto-Stiftung als beantragt. Peymann wurden für das Jahr 2004 eine Million und für 2005 nur eine halbe Million Euro zusätzliche Mittel bewilligt. Beantragt waren 2,5 beziehungsweise zwei Millionen.

"Zu Realitäten finden

Er sei dankbar, dass Peymann in seiner Kritik am Senat stets differenziert habe. "Wir haben ein Vertrauensverhältnis zueinander", meinte Flierl. "Vom Kulturhaushalt her haben wir die Zusage eingehalten, den Etatansatz zu halten", betonte der Kultursenator. Das sei schwierig genug gewesen angesichts der Tatsache, dass die Finanzierung von Privattheatern wie der Schaubühne und des Berliner Ensembles von Mitgliedern des Senats schon einmal in Frage gestellt worden sei.

"Das weiß auch Peymann. Es liegt nun an ihm, ein Verhältnis zu den Realitäten der Finanzierungsmöglichkeiten zu finden und zu prüfen, ob er unter diesen Bedingungen weiterarbeiten kann." Peymann, der am 5. September mit Bertolt Brechts "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" seine nächste Inszenierung am BE herausbringt, hatte im Juli angekündigt, er werde das Land Berlin notfalls wegen Vertragsbruchs verklagen. Der Theatermacher, der vorher das Wiener Burgtheater leitete, ist seit 1999 Leiter des Berliner Ensembles. (APA/dpa)

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