Klagen gegen österreichische Musiktauschbörsen-User "vorstellbar"

21. August 2003, 07:32
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Hauptziel der Musikbranche laut IFPI-Chef Medwenitsch: Information der User und Aufbau legaler Onlineplattformen

Ein Umsatzrückgang von acht Prozent im Jahr 2002 und mehr selbst gebrannte als verkaufte CDs – für diese nicht gerade ermutigende Bilanz des österreichischen Musikmarktes wird vor allem die zunehmende Konkurrenz durch Internet-Musiktauschbörsen wie Kazaa, Gnutella oder Soul Seek verantwortlich gemacht. Die österreichische Musikbranche will sich dieser Bedrohung nun erwehren, setzt dabei aber vorerst auf Information und Warnung der User. Falls die Informationskampagne des IFPI keinen Erfolg zeigt, seien Klagen jedoch durchaus vorstellbar.

Ziele

"Das betrifft vor allem 'heavy User', also solche, die besonders viele Dateien up – und downloaden", so Franz Medwenitsch, Geschäftsführer des Verbands der Österreichischen Musikwirtschaft (IFPI), gegenüber der APA. Dies sei aber kein Freibrief für alle, die nur gelegentlich Musik herunterladen. "Das ist genauso illegal wie Ladendiebstahl, und wer erwischt wird, muss eben die Konsequenzen tragen." Momentan würde dieser "geistige Diebstahl" eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bzw. eine Geldstrafe bedeuten, bei gewerbsmäßiger Nutzung könnte sogar eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren verhängt werden.

Klagewelle

Auf User von Tauschbörsen, die dort Songs gratis und großteils ohne Genehmigung der Urheber zum Herunterzuladen anbieten, rollt in den USA und in Spanien schon eine Welle von Klagen zu. Das Hauptziel des IFPI sei aber vorerst lediglich die Information der User über die Illegalität ihres Handelns. "Bewusst gegen das Urheberrechtsgesetz verstoßen will schließlich sicher keiner", so Medwenitsch. Klagen seien nicht das primäre Interesse des Musikverbandes. Von Konkurrenz zwischen legalen und illegalen Angeboten kann laut Medwenitsch keine Rede sein. "Zwischen legalen und illegalen Tauschbörsen kann es keinen Wettbewerb geben", erklärte er.

Böse Medien, böse

Das mangelnde Bewusstsein der Tauschbörsennutzer bezüglich der Rechtslage führt er dabei nicht zuletzt auf den Umgang der Medien mit diesem Thema zurück. "Wenn Zeitungen und Zeitschriften regelmäßig Tipps zum Downloaden und Brennen von Musikdateien geben, führt das zu einer Verharmlosung. Illegal Musik herunterladen wird ja mittlerweile als schick empfunden."

Potential

Dennoch biete das Internet gerade in der Musikbranche großartige Möglichkeiten: "Gratis-Files im Internet können natürlich der Promotion dienen – allerdings nur, wenn der Künstler sie vorher dazu freigegeben hat." Deshalb setze man bewusst auf die Entwicklung legaler Online-Musikplattformen. Die gehe zwar langsam voran, da die Rechte aller Beteiligten geklärt sein müssen, bevor ein Musikfile zur Verfügung gestellt werde, habe dafür aber den Pluspunkt der Legalität und Sicherheit. Illegale Musikdateien brächten die Gefahr von Viren und den Zugriff anderer User auf den PC.

Kopierschutzversuche

Derzeit kommen in Österreich jährlich etwa 25.000 neue CD-Titel auf den Markt, von denen besonders "gefährdete", wie z.B. Hit-Kompilationen, mit einem Kopierschutz versehen werden. Diese machen aber nur zehn bis 20 Prozent aus. Der Kopierschutz soll in erster Linie das Kopieren von CDs auf die Festplatte eines Computers verhindern. (APA)

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