Powell: "Friedliches Nebeneinander ohne Beendigung von Terror und Gewalt nicht vorstellbar"

14. August 2003, 06:56
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USA halten an Friedensbemühungen fest

Washington/Jerusalem - Die USA haben die jüngsten Anschläge gegen Israelis scharf verurteilt und betont, die Nahost-Friedensbemühungen würden dadurch nicht unterbrochen. "Wir lassen uns von Bomben nicht aufhalten", sagte Außenmininister Colin Powell gestern, Dienstag, in Washington. Powell betonte, dass der Traum eines friedlichen Nebeneinanders zwischen dem israelischen und einem künftigen palästinensischen Staat ohne die Beendigung von Terror und Gewalt nicht vorstellbar sei.

Zwei palästinensische Selbstmordattentäter hatten am Dienstag bei Anschlägen in Israel und im Westjordanland zwei Israelis mit sich in den Tod gerissen und damit die vor sechs Wochen ausgerufene Waffenruhe schwer erschüttert. Bei den Explosionen in einem Supermarkt in Rosh Ha'Ain östlich von Tel Aviv und an einer Bushaltestelle nahe der Siedlerstadt Ariel wurden 13 Menschen verletzt. Zum ersten Anschlag bekannte sich die Fatah-Splittergruppe Al-Aksa-Brigaden, zum zweiten die Hamas-Bewegung.

Israel stoppte nach den Attentaten die Freilassung von 69 palästinensischen Häftlingen, die für Dienstag vorgesehen war. Ein Sprecher in Jerusalem kündigte das vorläufige Ende aller Erleichterungen für die palästinensische Bevölkerung an. Es waren die ersten gezielten Selbstmordanschläge gegen Israelis seit der Ausrufung einer einseitigen Waffenruhe durch palästinensische Extremistengruppen am 29. Juni.

Die stellvertretende Sprecherin des Weißen Hauses, Claire Buchan, erklärte, die USA verurteilten den Anschlag aufs schärfste. Die palästinensischen Behörden müssten nun entschlossen handeln und die terroristischen Netzwerke zerstören. An Israelis und Palästinenser appellierte sie, weiter zusammen zu arbeiten, um den Terror zu beenden und die Friedenstür geöffnet zu lassen.

Der stellvertretende Außenministeriumssprecher Philip Reeker erklärte in Washington, die Vorgänge zeigten, dass eine Waffenruhe nur ein erster Schritt sein könne und alleine keinen Frieden bringe. "Es liegt nun an der palästinensischen Führung, ihre Führungsrolle auch wahrzunehmen."

In der Früh hatte sich zunächst ein junger Palästinenser in einem Supermarkt der Stadt Rosh Ha'Ain nahe dem Westjordanland mit einer in seinem Rucksack versteckten Bombe in die Luft gesprengt. Er riss einen 42-jährigen Israeli mit sich in den Tod und verletzte zehn weitere. Mehrere Geschäfte in dem Einkaufszentrum gerieten durch die Explosion in Brand. Eine Stunde später zündete ein 21-jähriger Palästinenser einen Sprengsatz an einer Bushaltestelle am Eingang der Siedlerstadt Ariel im palästinensischen Westjordanland. Ein junger Israeli kam dabei ums Leben und drei weitere wurden verletzt.

Der Sprecher der radikalen Hamas-Organisation, Abdel Aziz Rantizi begründete die Anschläge mit der "militärischen Eskalation Israels gegen die Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen". Hamas hatte Vergeltung geschworen, nachdem bei einer israelischen Kommandoaktion in Nablus am vergangenen Freitag vier Palästinenser getötet worden waren.

Der palästinensische Regierungschef Mahmud Abbas verurteilte die neuen Anschläge und brach eine Reise durch arabische Staaten ab. Sein Sicherheitschef Mohammed Dachlan warnte, man werde keine weiteren Verstöße von palästinensischer Seite gegen die Waffenruhe dulden. Er bekräftigte die palästinensische Unterstützung des Friedensplans. Dachlan betonte allerdings, die Autonomiebehörde könne nicht für die Anschläge verantwortlich gemacht werden, weil die meisten Palästinensergebiete weiterhin von der israelischen Armee besetzt seien.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon sagte nach den Anschlägen, eine Fortsetzung des Friedensprozesses sei unmöglich, solange die palästinensischen Terroranschläge andauern. Sharon bekräftigte seine Forderung nach einem energischen Kampf der Autonomiebehörde gegen die Extremistengruppen. "Leider nimmt die Autonomiebehörde diese Aufgaben nicht ernst", betonte Sharon. Israel werde daher den Kampf gegen den Terror selbst fortsetzen. (APA/dpa)

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