Sonnenstrahlung soll Krebsentstehung vorbeugen

18. August 2003, 11:34
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UVB-Licht hemmt Wachstum von Tumorzellen und Entwicklung von Multipler Sklerose

New York/Sydney - Diese Botschaft kommt zur richtigen Zeit. Sonne sei gesund, vermelden Wissenschafter, wer sich zu wenig der Sonne aussetzt, trage ein deutlich höheres Risiko, an Multipler Sklerose und Krebs zu erkranken.

Auch wenn ein Zuviel zu Hautkrebs führt - UV-Strahlen der Sonne wirken positiv: Sie regen in der Haut die Produktion von Vitamin D an. Dieses ist notwendig für die Knochenbildung, es speichert die für den Aufbau von Knochen notwendigen Elemente Kalzium und Phosphor. Vitamin D wird erzeugt, wenn Fette und Öle aus der Nahrung in die Haut eingelagert, mit Sonnenlicht bestrahlt werden.

Bekannt ist, dass die durch Vitamin-D-Mangel verursachte Knochenkrankheit Rachitis nur selten in sonnigen Klimazonen auftritt. In jüngster Zeit mehren sich nun aber auch Hinweise darauf, dass Vitamin D zudem das Wachstum von Krebszellen hemmt - wenigstens in Laborversuchen.

Weniger Dickdarm- und Prostatakrebs

Eine epidemiologische Analyse der US-Bevölkerung legte bereits vor Jahren nahe, dass Krebskranke geografisch ungleichmäßig verteilt sind: In sonnigen Staaten treten Dickdarm- und Prostatakrebs weit weniger häufiger auf.

Im Vorjahr behauptete Atmosphärenphysiker William Grant im Fachmagazin Cancer, in den USA ließen sich jährlich etwa 30.000 Krebstodesfälle durch vermehrte Sonnenstrahlung (UVB-Strahlung) verhindern. Was nichts daran ändert, dass es in den USA jährlich 3000 Todesfälle infolge Hautkrebs gibt - vor allem in sonnenreichen Staaten.

Dennoch: In seiner Untersuchung fand Grant, dass sich für 13 Krebsarten eine enge Korrelation zwischen ihrer Häufigkeit und der Sonneneinstrahlung ausmachen lässt. Am deutlichsten sei diese bei Tumoren der Brust, des Dickdarms und der Eierstöcke.

Vitamin-D-Synthese

Dieser Zusammenhang lasse sich weder mit unterschiedlicher Ernährung noch mit anderen Lebensgewohnheiten erklären. Vielmehr würde eine zu geringe UVB-Strahlung vor allem in Wintermonaten zu einer ungenügenden Vitamin-D-Synthese führen, behauptete Grant. Was vielfachen Widerspruch erregte: Der Forscher hatte mehrere Bundesstaaten ausgeklammert, weil jeweils hohe Migrationsraten in der Bevölkerung die Ergebnisse verfälscht hätten. Kritiker bemängelten, es handele sich bei diesen Staaten vor allem um sonnenreiche mit hohen Krebszahlen.

Studien anderer Forscher wiederum stützen die Ergebnisse. Grant selbst kommt in seiner jüngsten Studie, veröffentlicht im britischen New Scientist, zu einem ähnlichen Ergebnis. Immer mehr Ärzte raten davor ab, Sonne um jeden Preis zu vermeiden.

Zu diesen gehört auch die australische Medizinerin Ingrid van der Mei, wenngleich aus einem anderen Grund, wie das aktuelle British Medical Journal berichtet: Die Häufigkeit von Multipler Sklerose hängt vom Breitengrad ab, je weiter entfernt vom Äquator ein Mensch lebt, desto höher ist sein Risiko, die Nervenerkrankung zu entwickeln. Van der Mei vermutet den Grund dafür ebenfalls in der abnehmenden Intensität der UV-Strahlung und einer daraus resultierenden mangelnden Vitamin-D-Versorgung, die das Auftreten von MS begünstiget.

Dabei ist noch nicht einmal klar, welche Menge Vitamin D der Körper benötigt. So bleibt vorerst umstritten, welche Sonnendosis tolerabel ist. Unumstritten ist hingegen, dass intensives Sonnenbaden über längere Zeit das Hautkrebsrisiko erhöht. (boj, fei/DER STANDARD, Printausgabe, 13.8.2003)

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