Der Suhrkamp-Schachzug

Kommentar15. Jänner 2014, 18:20
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Entscheidung im Verlagsstreit

Neues Geld, neue Partner, neue Struktur. Darauf läuft der langwierige "Suhrkampf" hinaus, der um den renommiertesten deutschen Buchverlag geführt wurde. Hans Barlach, Eigentümer einer gewichtigen Fastdrittelminderheit, hatte die Unseld-Familienstiftung, namentlich die Geschäftsführerin Ulla Unseld-Berkéwicz, mit einer Reihe von Klagen bedacht - mit dem Ergebnis, dass der Verlag de facto handlungsunfähig wurde.

Den Schachzug, mit dem die Familienstiftung auf die verfahrene Situation reagierte, darf man als geschickt, vielleicht sogar als genial bezeichnen: Sie stellte Antrag auf Insolvenz - und somit selbst die Forderungen nach Gewinnausschüttung, die der Verlag nicht hätte erfüllen können. Diese klärende Doch-nicht-Insolvenz, die nun von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft führt und eine Kapitalerhöhung möglich macht, wurde am Mittwoch genehmigt.

Darüber werden Juristen anders urteilen als passionierte Leser von Suhrkamp-Buchtiteln; und Hans Barlach, für den die Auseinandersetzung nun mit einer deutlichen Niederlage endete, schließt weitere Rechtsmittel nicht aus. Das Publikum aber hat gute Gründe, den Schiedsspruch gutzuheißen. Und kann nun hoffen, dass die "Suhrkamp-Kultur", dieses Synonym für eine Intellektualität jenseits bloßer Markterfordernisse, ökonomisch eine tragfähige Zukunftsperspektive entwickelt. (Bert Rebhandl, DER STANDARD, 16.1.2014)

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