Anleihen "nur mit Fingerspitzengefühl"

15. Jänner 2014, 18:28
7 Postings

Die heimischen Pensionskassen haben 2013 dank Gewinnen bei Aktien und südeuropäischen Anleihen 5,1 Prozent Rendite verdient

Wien - Aktien aus Industrieländern und die Anleihen der europäischen Südländer haben den heimischen Pensionskassen im abgelaufenen Jahr 2013 die Ertragslage gerettet. Im Schnitt verdienten die Pensionskassen im Vorjahr 5,1 Prozent. Fachverbandsobmann und Valida-Chef Andreas Zakostelsky sprach am Mittwoch vor Journalisten von einem "guten Ergebnis in einem schwierigen Umfeld". Das Anlageergebnis aus 2013 liegt damit leicht unter dem langfristigen Durchschnitt.

Das von den Pensionskassen verwaltete Vermögen ist 2013 um sieben Prozent auf 17,4 Milliarden Euro gestiegen. Die Zahl der Berechtigten stieg um zwei Prozent auf knapp 840.000. Angaben dazu, wie sich das Ergebnis des Vorjahres auf die Pensionen auswirken wird, gibt es aber erst Anfang März. Im Schnitt beträgt die durchschnittliche Pensionshöhe 470 Euro im Monat. In der Vergangenheit hat es immer wieder Kürzungen für Firmenpensionisten gegeben, die stark kritisiert werden, beispielsweise vom Schutzverband der Pensionskassenberechtigten (Pekabe). Betroffen waren besonders Altverträge mit hohen Rechnungszinsen.

Zinsen gedrückt

Dabei macht den 16 Pensionskassen durchaus die Lage am Anleihenmarkt zu schaffen. "Bei Anleihen ist derzeit nur mit viel Fingerspitzengefühl Rendite zu erwirtschaften", mahnt Zakostelsky. Die lockere Geldpolitik der weltweit tätigen Zentralbanken haben die Zinsen deutlich gedrückt. Wenn die Zinsen nun - wie seit Mai 2013 zu beobachten - steigen, bedeutet das für lang laufende Papiere Verluste. "In Kerneuropa war es schwierig angesichts niedriger Renditen etwas zu verdienen", sagte Zakostelsky.

Dafür hätten sich die Positionen bei den europäischen Krisenländern (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien, kurz PIIGS) sehr positiv entwickelt. "Mit Anleihen aus den PIIGS konnte man 2013 etwas verdienen", sagte Zakostelsky. Die guten Nachrichten aus den Krisenländern - so hat etwa Irland 2013 den Rettungsschirm verlassen können - hätten auch die Pensionskassen wieder Vertrauen in Südeuropa fassen lassen. Knapp acht bis zehn Prozent des veranlagten Vermögens seien mittlerweile in Anleihen aus der Region investiert, schätzt der Fachverbandsobmann.

Wichtigster Renditebringer 2013 waren aber die Aktienmärkte. Bei Aktien waren deutlich zweistellige Renditen möglich. Die Pensionskassen haben auf diesen Trend auch reagiert. Das zeigt ein Blick etwa auf die Strategien, die "ausgewogen" veranlagt werden - sie haben mit 35,2 Prozent einen historisch hohen Aktienanteil im Portfolio. Insgesamt gab sich Zakostelsky am Mittwoch "vorsichtig optimistisch" für die österreichischen Pensionskassen. Als Zielbandbreite für den Ertrag gab er eine Rendite von fünf bis sechs Prozent an.

Zufrieden zeigte er sich von dem Regierungsprogramm, der Fachverband beurteile das Programm "sehr positiv". So würde die darin enthaltene Harmonisierung der Förderinstrumente möglichen Investoren den Vergleich zwischen verschiedenen Vorsorgeprodukten erleichtern. Auch steuerliche Anreize erwarte sich der Fachverbandsobmann für die zweite, betriebliche Säule des Pensionssystems. (sulu, DER STANDARD, 16.1.2014)

  • Das Umfeld niedriger Zinsen verheißt nichts Gutes für Pensionisten, die Pensionskassenverträge mit hohen Rechnungszinsen abgeschlossen haben.
    foto: ap

    Das Umfeld niedriger Zinsen verheißt nichts Gutes für Pensionisten, die Pensionskassenverträge mit hohen Rechnungszinsen abgeschlossen haben.

Share if you care.