Automarkt: China wird zum Zünglein am Wagen

15. Jänner 2014, 18:24
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Bei der Autoshow in Detroit legen die Konzerne ihre Pläne offen. Demnach will Fiat in China mitmischen, General Motors sagt VW in China den Kampf an

Detroit/Wien - General Motors nimmt den Kampf mit Volkswagen um die Führung auf dem weltgrößten Automarkt China auf. Der Opel-Mutterkonzern, an dessen Spitze nun mit Mary Barra erstmals eine Frau steht, kündigte am Mittwoch den Bau von vier weiteren Fabriken in der Volksrepublik an. Wie aus den Unterlagen für eine Investorenkonferenz am Rande der Automesse in Detroit hervorging, soll die jährliche Produktionskapazität in China dadurch bis 2015 auf fünf Millionen Fahrzeuge steigen. Im laufenden Jahr will GM im Reich der Mitte 17 neue Modelle beziehungsweise Varianten auf den Markt bringen.

Volkswagen hatte den US-Rivalen in China im vergangenen Jahr erstmals seit knapp einem Jahrzehnt wieder als größten Autobauer abgelöst. Eine starke Stellung auf dem boomenden chinesischen Automarkt gilt als entscheidend im Rennen um die Weltmarktführung. Mit weltweit 9,71 Millionen verkauften Fahrzeugen lag GM 2013 gleichauf mit dem Wolfsburger Konzern, der nach eigenen Angaben einschließlich seiner Lkw-Töchter MAN und Scania mehr als 9,7 Millionen Fahrzeuge losschlug. Weltmarktführer dürfte der japanische Toyota-Konzern geblieben sein, der Analystenschätzungen zufolge auf 9,8 Millionen Einheiten gekommen sein dürfte.

Geld für Anleger

Freuen können sich auch die GM-Aktionäre. Nach fast sechs Jahren Durststrecke beteiligt der Autobauer seine Anleger wieder am Gewinn. Ende März sollen sie eine Quartalsdividende von 30 Cent (0,22 Euro) je Stammaktie erhalten. Diese Zahlung unterstreiche die Zuversicht, die das Unternehmen in seine Geschäftsentwicklung habe, heißt es. Der Ausstieg der US-Regierung Ende 2013 hatte die Aktionäre bereits wieder auf eine Gewinnbeteiligung hoffen lassen. 2008 hatte der Konzern zuletzt eine Dividende gezahlt, 2009 musste der Autobauer Insolvenz anmelden und vom US-Staat gerettet werden.

International stellt sich GM neu auf. Wegen hoher Kosten beendet der Autobauer seine Produktion in Australien bis 2017. Dies eröffne Südkorea neue Möglichkeiten, sagte Stefan Jacoby, Chef des internationalen Geschäfts, in Detroit. Von dort könnten mehr Wagen nach Australien ausgeliefert werden. Allerdings streicht GM nach dem Aus der Marke Chevrolet in Europa Arbeitsplätze in Südkorea. In Europa will sich GM auf die Tochter Opel konzentrieren.

Fiat drängt nach China

In China will künftig aber auch Fiat stärker mitmischen. Die Herausforderung von Fiat-Chrysler liegt im Premium-Segment, sagte Konzernchef Sergio Marchionne in Detroit. Nachdem heuer 50.000 Maserati im neuen Werk in Grugliasco (Turin) vom Band laufen werden, will Fiat mit neuen Alfa Modellen nicht nur in den USA, sondern auch auf dem bislang vernachlässigten Markt in China punkten. Während das Hauptquartier des Autobauers angeblich in die USA verlagert wird (eine Entscheidung darüber soll am 29. Jänner fallen) gilt als sicher, dass die Produktion der neuen Alfa-Romeo-Modelle in Italien erfolgt.

Ein Jubiläum feiert hingegen VW in Mexiko. Seit 50 Jahren ist der Konzern dort aktiv. 1964 gründete das Unternehmen die Tochterfirma Volkswagen de México, zwei Jahre verließ das erste Auto das Werk. Heute ist Puebla nach Wolfsburg mit knapp 15.000 Mitarbeitern das zweitgrößte VW-Werk weltweit. Mehr als 500.000 Fahrzeuge werden dort pro Jahr gefertigt. (dpa, Reuters, tkb, DER STANDARD, 16.1.2014)

  • Neue Modelle, neue Pläne: Bei der Autoshow in Detroit geben die Konzerne Einblick in ihre Strategie. Im Bild spiegeln sich Besucher in einem neuen Toyota-Modell.
    foto: reuters/lott

    Neue Modelle, neue Pläne: Bei der Autoshow in Detroit geben die Konzerne Einblick in ihre Strategie. Im Bild spiegeln sich Besucher in einem neuen Toyota-Modell.

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