Übergriffe auf Touristinnen in Indien

15. Jänner 2014, 18:04
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Die Gewaltwelle gegen Frauen in Indien will nicht enden: Am Dienstag wurde eine 51-jährige Dänin mitten im belebten Touristenviertel von Neu-Delhi beraubt und vergewaltigt -Am Mittwoch wurde ein weiterer Fall einer 18-jährigen Deutschen bekannt

Es war ihr letzter Urlaubstag, doch er endete mit einem Albtraum. Weil sie sich im Gassengewirr von Delhis populärem Touristendistrikt Paharganj verlaufen hatte, fragte eine dänische Touristin Dienstagnachmittag eine Gruppe Männer nach dem Weg. Doch die Männer, die so hilfsbereit schienen, lockten die 51-Jährige in eine abgeschiedene Ecke nahe dem Hauptbahnhof. Dort raubten die laut Medien fünf bis sechs Männer der Frau Geld, iPad und Handy und vergewaltigten sie mit vorgehaltenem Messer.

Erst am Abend gelang es der Frau, sich wieder in ihre Pension zu schleppen. Der Besitzer des Amax-Hotels, Pushkar Singh, rief die Polizei. "Sie weinte und war in einer kläglichen Verfassung", erzählt er sichtlich erschüttert im Fernsehen. "Ich schäme mich, dass dies passiert ist."

Erneut gehen nach einer Gruppenvergewaltigung Schockwellen durch Indien. Schauplatz war ausgerechnet der Touristendistrikt Paharganj mit seinen vielen Billighotels, der bei Rucksackreisenden beliebt ist. Laut Polizei verweigerte die traumatisierte Touristin eine medizinische Untersuchung und reiste noch am Mittwoch nach Dänemark ab.

Delhis Polizei, sonst nicht gerade für Schnelligkeit bekannt, reagierte prompt. Bereits am Mittwoch wurden 15 Männer verhört. Ob es sich wirklich um die Täter handelt oder die Polizei nur zügige Erfolge vorweisen will, lässt sich in Indien allerdings nie sicher sagen.

Am Mittwoch wurde auch bekannt, dass eine 18 Jahre alte Deutsche, Mitarbeiterin einer Freiwilligenorganisation, am Freitag im Schlafwagen eines Zugs in Südindien von einem Mann vergewaltigt wurde. "Sie hat am Montag Anzeige erstattet", sagte eine Polizeisprecherin. Der mutmaßliche Täter sei gefasst.

Vor einem Jahr hatte die "Schreckenstat von Delhi" erstmals international ins Bewusstsein gerückt, welches Ausmaß Gewalt gegen Frauen in Indien hat. Damals war eine 23-Jährige in einem fahrenden Bus von sechs Männern vergewaltigt worden und an den Folgen gestorben. Das Verbrechen hatte zu wütenden Massenprotesten geführt, doch über Lippenbekenntnisse sind die Zuständigen kaum hinausgekommen.

Zwar verschärfte die Regierung die Gesetze. Doch Polizei, Justiz und Politik behandeln Gewalt gegen Frauen weiterhin als Lappalie oder schützen die Täter.

"Die Botschaft lautet, dass man als Frau nicht allein nach Indien kommen sollte", meint Ranjana Kumari vom Centre for Social Research. Die Serie von Vergewaltigungen hat Indiens Ruf im Ausland beschädigt. Im Vorjahr sank die Zahl weiblicher Touristen laut einer Studie um 35 Prozent.

Im März war eine Schweizerin auf einer Radtour vergewaltigt worden. Eine britische Touristin sprang aus dem Hotelfenster, um einem Angriff zu entgehen. Im Dezember verurteilte ein Gericht drei Männer wegen der Vergewaltigung einer US-Touristin zu 20 Jahren Haft. (Christine Möllhoff aus Neu-Delhi, DER STANDARD, 16.1.2014)

  • Das Amax- Hotel, in dem die Dänin wohnte, liegt mitten im beliebten Backpackerviertel Paharganj. Eine junge Deutsche wurde im Schlafwagen eines Zugs in Südindien missbraucht. Beide Frauen erstatteten Anzeige.
    foto: foto: ap/qadri

    Das Amax- Hotel, in dem die Dänin wohnte, liegt mitten im beliebten Backpackerviertel Paharganj. Eine junge Deutsche wurde im Schlafwagen eines Zugs in Südindien missbraucht. Beide Frauen erstatteten Anzeige.

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