"Umweltzonen sind ein wirksames Mittel"

15. Jänner 2014, 18:52
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Anders als in Österreich werden in ganz Europa Umweltzonen eingerichtet. Eine Recherche des STANDARD in deutschen Städten belegt: Umweltzonen können die Luftsituation in Städten signifikant verbessern

Graz/Köln - "Na, bei Ihnen muss es doch jede Menge frische Luft geben. Die Berge und so", sagt Manuel Kölker vom Oberbürgermeisteramt in Krefeld. Kölker ist fast erstaunt, dass die Schadstoffbelastung der Luft auch in Österreichs Städten ein enormes Problem darstellt - und nicht nur bei ihm am Rand des Ruhrgebiets.

Aber seit in Krefeld 2011 eine Umweltzone, in die nur noch schadstoffarme Pkws einfahren dürfen, eingerichtet wurde, könne man auch in der "Kohlenpott"-Stadt besser durchatmen. Gut, auch hier habe es im Vorfeld heftige Diskussionen mit der Bevölkerung gegeben. "Es haben sich aber so ziemlich alle daran gewöhnt, weil die Luftsituation klar besser geworden ist", sagt Kölker.

Krefeld ist kein Einzelfall. Im gesamten Bundesland Nordrhein-Westfalen hat sich die Einführung von Umweltzonen als zentraler Bestandteil diverser Luftreinhalteprogramme eindeutig bewährt. Schon kurz nach Einführung sei im gesamten Bundesland die Schadstoffbelastung im Schnitt signifikant gesunken. Eklatante Verbesserungen konnten vor allem im stark belasteten Ruhrgebiet erreicht werden, sagt Birgit Kaiser de Garcia vom Landesamt für Natur und Umwelt.

"Die Ergebnisse sprechen für sich"

Auch in Köln, der größten Stadt des Bundeslandes, sah man sich zur Einführung einer Umweltzone gezwungen. "Wir haben die Leute mitgenommen und wollten, dass sie die Entscheidung mittragen. Also wurde die Umweltzone sanfter umgesetzt. Die Bewohner wussten aber, wo die Reise hingeht und dass sie sich in absehbarer Zeit nach einem neuen Auto umsehen müssen", sagt Inge Schürmann von der Stadtkommunikation Köln. Trotz der Restriktionen für die Autofahrer denke heute aber niemand mehr daran, "das Rad zurückzudrehen", bemerkt Schürmann.

Weiter südlich in Baden-Württemberg hat die Autostadt Stuttgart ebenfalls eine Umweltzone eingeführt. Seit 2008 dürfen hier nur noch abgasarme Pkws, die mit grünen Aufklebern gekennzeichnet sind, in die Stadt. Natürlich habe es auch hier heftige Debatten gegeben. Aber: "Die Ergebnisse sprechen für sich. Alle haben gesehen, welche positiven Auswirkungen die Maßnahmen auf die Luftqualität haben. Städte mit sauberer Luft sind eben auch attraktiver, nicht nur für Touristen. Das ist auch für die Wirtschaft ein wichtiger Standortfaktor", sagt Sven Matis von der Stadtverwaltung.

Ähnliche Erfahrungen machte auch Hannover im Norden Deutschlands. Hier ging es um eine alarmierende Stickstoffoxid-Belastung. "Wir haben eindeutig bestätigt bekommen, dass die Umweltzone für die Senkung der Stickoxidbelastung ein wirksames Mittel ist", sagt Dennis Dix vom Oberbürgermeisterbüro.

In Österreich kein Thema

Hannover, Krefeld, Köln oder Stuttgart sind exemplarische Beispiele. In Deutschland existieren schon an die 60 Umweltzonen, europaweit - von Dänemark bis Italien - sind es bereits 93.

Österreich hat sich von dieser Entwicklung völlig abgekoppelt. Umweltzonen sind de facto kein Thema. Nicht einmal in Österreichs "Feinstaub-Hauptstadt" Graz. Umweltlandesrat Gerhard Kurzmann (FPÖ) hält eine Umweltzone hier für "nicht notwendig". "Wir haben 44 andere Maßnahme gesetzt, etwa den Fernwärmeausbau. Das bringt mehr als eine Umweltzone. Sie belastet nur die Wirtschaft und die Pendler." (Walter Müller, DER STANDARD, 16.1.2014)

  • In zahlreichen deutschen Städten, wie hier in Berlin, dürfen nur noch schadstoffarme Pkws, die mit grünen Plaketten gekennzeichnet sind, in die City einfahren. 
    foto: reuters/peter

    In zahlreichen deutschen Städten, wie hier in Berlin, dürfen nur noch schadstoffarme Pkws, die mit grünen Plaketten gekennzeichnet sind, in die City einfahren. 

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