Christian Konrad soll aufgeigen

15. Jänner 2014, 18:06
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Ex-Raiffeisen-Chef als Konzerthaus-Präsident in Rede

Wien - Sollte diesmal alles klappen bekommt das Wiener Konzerthaus am Tag des Jägerballs, am 27. Jänner, einen neuen Präsidenten. Angeblich wird Ex-Raiffeisen-Chef Christian Konrad das Amt übernehmen - und damit erstens eine längere Sedisvakanz und zweitens einen peinlichen Streit in der Wiener Konzerthausgesellschaft beenden.

Das Präsidium unter Christoph Kraus und Burkhard Gantenbein soll dem Konzerthaus-Direktorium den 70-Jährigen zur Wahl vorschlagen, wie der STANDARD erfahren hat. Kraus bestätigt zwar nicht den Namen, aber: "Wir haben einen Vorschlag, und es wird zu keiner Kampfabstimmung kommen." Soll heißen: Man hat die Sache mit den 25 Direktoriumsmitgliedern so akkordiert, dass niemand einen Gegenvorschlag einbringen wird. Das wäre statutengemäß bis 48 Stunden vor der Wahl am 27. Jänner möglich. Konrad gibt zu all dem keinen Kommentar ab.

Kurzer Rückblick: Nach dem Tod von Präsidentin Theresa Jordis im September 2013 sollte im Dezember Notenbank-Präsident Claus Raidl (er sitzt im Konzerthaus-Direktorium) gewählt werden. Allerdings kam es in der Direktoriumssitzung zu einem lautstarken Disput; vor allem der Präsident der Industriellenvereinigung, Georg Kapsch, wandte sich gegen Raidl, einige drohten mit Rücktritt. Der Industrielle Kapsch ist Hauptsponsor des Konzerthauses, das rund 6,5 Mio. Euro Schulden hat. Raidl (71) zog daraufhin seine Kandidatur zurück.

Kapsch hat sich angeblich gegen Raidl gewehrt, weil dieser Kandidat von Direktoriumsmitglied Christian Köck war - und sich Gesundheitsökonom und Plattenlabel-Miteigner Köck selbst als Präsident in Stellung bringen habe wollen. Konzerthaus-Präsidenten müssen mit 75 gehen; Raidl ist 71. Kapsch und andere Direktoren wie Peter Mitterbauer sollen mit dem Liberalen Köck aber nicht auf gutem Fuß stehen.

Der neue Konzerthaus-Präsident wird zunächst wohl sein Team neu zusammenstellen. Zu erwarten ist, dass der Arbeitsausschuss neu besetzt wird. Dieser Ausschuss wählt die Vizepräsidenten - Raidl könnte einer davon werden, wie es heißt.

Kernjob des Neuen wird die Sanierung der Finanzen sein, also auch das Anwerben von Sponsoren. Der (teurer als geplante) Umbau, der 2001 fertiggestellt war, wurde laut Informationen des Standard zur Gänze mit einem Bawag-Kredit finanziert; besichert ist er mit dem Konzerthaus-Gebäude. Von ursprünglich rund 15 Mio. Euro sind noch 6,5 Mio. offen; die müssen aber nicht rückgeführt werden. Die Zinsen sind (derzeit) wohlfeil, liegen bei einem halben Prozent über Euribor, aktuell unter einem Prozent. Vergeben wurde der Kredit einst unter einem Kunstliebhaber: Bawag-Chef Helmut Elsner. (Renate Graber, DER STANDARD, 16.1.2014)

  • Christian Konrad soll Kompromisskandidat sein.
    foto: regine hendrich

    Christian Konrad soll Kompromisskandidat sein.

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