Schweiz: Immer mehr EU-Freiberufler

15. Jänner 2014, 17:26
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Nachbarland kämpft mit Ärztemangel - Zugewanderte Techniker verdienen weniger

Bern - Die Schweizer Wirtschaft hat eine ungestillte Nachfrage nach gut qualifizierten Arbeitskräften. Das zeigt sich unter anderem an der wachsenden Zahl von Architekten, Ingenieuren, Anwälten, Notaren, Ärzten und Apothekern, die in der Schweiz ihren Beruf ausüben. Viele kommen aus der EU.

Laut einem Bericht, den die Regierung am Mittwoch vorgelegt hat, übten 2012 rund 390.000 Personen einen freien Beruf aus. Das sind 9,3 Prozent der Erwerbstätigen. 2003 lag der Anteil noch bei 8,2 Prozent.

Migration

Das überdurchschnittliche Beschäftigungswachstum wurde durch die Personenfreizügigkeit begünstigt, wie die Regierung schreibt. Viele Angehörige der freien Berufe sind nämlich aus EU- oder EFTA-Ländern in die Schweiz eingewandert.

Dies habe dazu beigetragen, den Fachkräftemangel in verschiedenen Bereichen zu lindern, heißt es in dem Bericht. Besonders prekär ist die Situation bei den Ärzten: Derzeit werden in der Schweiz nur 700 bis 800 Ärzte pro Jahr ausgebildet, der Bedarf liegt laut einer Schätzung der Regierung aber bei 1.200 bis 1.300.

Viele Mediziner

Zwischen 2003 und 2012 waren jährlich durchschnittlich 6.900 Personen aus der EU in die Schweiz eingewandert, um eine Erwerbstätigkeit in einem freien Beruf aufzunehmen. Ein großer Teil ist von ihnen ist in medizinischen Berufen tätig: Seit 2002 anerkannte das Bundesamt für Gesundheit über 22.000 Diplome von Medizinern und Chiropraktikern. Weil nicht alle Spitäler eine solche Anerkennung verlangen, dürfte die Zahl der Zuwanderer dem Bericht zufolge höher liegen.

Der Schweizer Arbeitsmarkt vermochte die Zuwanderer aber problemlos aufzunehmen. Die Erwerbslosenquote blieb bei freien Berufen mit weniger als 2 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt. Auch kamen die Einkommen kaum unter Druck. Einzig im technischen Bereich gibt es laut dem Bericht Hinweise darauf, dass neu zugezogene Freiberufler leicht tiefere Erwerbseinkommen erzielten als die bereits Ansässigen. (APA, 15.1.2014)

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