Miriam Ziegler muss auf Unglück anderer hoffen

15. Jänner 2014, 17:12
5 Postings

Einstiges Talent startet mit Severin Kiefer im Paarlauf - diese Woche bei der EM - Über Olympiastart entscheiden Frankreichs Behörden

Budapest/Wien - Mit 14 war sie erstmals Staatsmeisterin, mit 15 bei Olympia in Vancouver (26.), mit 16 nahm sie eine sportliche Auszeit, mit 18 beendete sie ihre Karriere. Jetzt ist sie 19 und wieder aktiv. Olympia steht vor der Tür. Miriam Ziegler könnte erneut dabei sein. Entschieden wird darüber anderswo. In Frankreich. Nicht in Budapest, obwohl dort diese Woche die Eiskunstlauf-EM stattfindet. Ziegler ist dabei, nicht allein, sondern mit Severin Kiefer im Paarlauf.

Nach dem Karriereende hatte sie die Schlittschuhe nie wirklich beiseitegelegt. Als sie bei der Staatsmeisterschaft im Dezember 2012 als Sprecherin wirkte, überkam sie Wehmut. Ziegler begann, wieder regelmäßig zu trainieren. "Ich war nicht sicher, ob ich wieder wettkampfmäßig laufen wollte." Kiefers Anfrage kam da genau zur richtigen Zeit. Der 23-Jährige bildete bis März 2013 vier Jahre lang mit der Steirerin Stina Martini ein Paar. Weil sportlich nichts mehr weitergegangen sei und Martini öfter Verletzungsprobleme hatte, suchte er eine neue Partnerin - und fand Ziegler.

Harmonie gefunden

"Paarlauf hat mich immer schon interessiert", sagt die 19-Jährige, deren Größe von 1,56 Meter für diese Disziplin optimal ist. Die ersten Probetrainings verliefen vielversprechend. Von der Paarbildung bis zur Harmonie dauerte es nicht allzu lang. "Sie hat sich sensationell gemacht", sagt Kiefer.

Eine tolle Entwicklung wurde dem Paar auch von Knut Schubert bescheinigt. Mit dem Deutschen trainieren Ziegler/Kiefer alle paar Monate in Berlin. Ansonsten wird in Graz bei Eva Sonnleitner geübt. Die Bedingungen in Österreich seien nicht optimal, "aber", sagt Ziegler, "unsere Trainerin tut alles dafür, dass wir aufs Eis können. Manchmal müsse man sich das Eis mit dreijährigen Kindern teilen. "Das kann mitunter auch gefährlich sein."

Gefährlich können auch die Hebungen im Paarlauf sein. Angst hatte Ziegler davor keine. Sie vertraut auf ihren Partner. "Er macht das schon länger." Mehr Probleme bereitete ihr die Todesspirale, die sie erst eine Woche vor dem ersten gemeinsamen Auftritt im September in Oberstdorf erlernte. Die Todesspirale klappte, Ziegler patzte dafür zweimal bei Einzelsprüngen. "Ich habe mich danach so schlecht gefühlt und mich ganz oft entschuldigt."

Daheim konkurrenzlos

Die Einzelsprünge sind eigentlich die Stärken des Paares. "Da haben wir anderen was voraus", sagt Kiefer, der auch aus dem Einzellauf kommt. Bei Staatsmeisterschaften tritt er noch regelmäßig solo an. Im Paarlauf holte er im Dezember erstmals gemeinsam mit Ziegler den Titel - konkurrenzlos. "Wir orientieren uns an internationalen Paaren", sagt Ziegler.

Der nächste Vergleich findet bei der EM in Budapest statt. Das Kurzprogramm steigt am Freitag, die Kür am Sonntag. Das Ziel ist ein Top-15-Platz. Die Olympia-Norm haben die beiden bereits im November in Graz geschafft. Allerdings können Ziegler/Kiefer nur in Sotschi antreten - für Kiefer wäre es der erste Olympiaauftritt -, wenn die mit Bruno Massot für Frankreich startende Russin Daria Popowa nicht bis 20. Jänner eingebürgert wird. Sie hatte zudem Verletzungsprobleme. "Es ist natürlich blöd, dass man auf das Unglück anderer hoffen muss", sagt Trainerin Sonnleitner.

Falls nichts aus dem Sotschi-Start wird, bleibt immer noch Pyeongchang 2018. Das ist ohnehin das große Fernziel. "Da wollen wir vorn mitmischen, einen Top-five-Platz erreichen", sagt Ziegler. Sie ist dann immer noch erst 23. (Birgit Riezinger, DER STANDARD, 16.1.2014)

  • Severin Kiefer wirft seine Partnerin Miriam Ziegler. Der Twist wird vorerst nur doppelt ausgeführt.
    foto: epa / felix kästle

    Severin Kiefer wirft seine Partnerin Miriam Ziegler. Der Twist wird vorerst nur doppelt ausgeführt.

Share if you care.