Puppenspieler mit hohlköpfigem Widerpart

15. Jänner 2014, 17:13
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Im Zweifel für die Marionette: "Der Hund der Baskervilles" im Theater im Zentrum

Wien - Sie sind Marionetten in einem diabolischen Spiel, die Figuren in Der Hund der Baskervilles, dem wohl bekanntesten Roman Arthur Conan Doyles rund um seinen Meisterdetektiv Sherlock Holmes. Da ist es nur passend, dass sie in Michael Schachermaiers Inszenierung für das Wiener Theater der Jugend im Theater im Zentrum tatsächlich als lebensgroße Puppen über die Bühne fegen. Einzig Holmes und sein Assistent Dr. Watson werden von Schauspielern (Uwe Achilles und Frank Engelhardt) verkörpert, alle anderen Charaktere werden von den Händen Clemens Matzkas und Christian Pfützes mit Leben erfüllt.

Die Verbindung von Puppen- und normalem Spiel funktioniert prächtig, völlig gleichberechtigt teilen sich die menschlichen Akteure und die von Julia-Elisabeth Beyer gebauten Charakterköpfe den Bühnenraum. Kuriose Gestalten sind sie allesamt, ob der übernatürlich kombinationsstarke Holmes, der in Thomas Birkmeirs Fassung eher unbeholfene Dr. Watson, das von einem Geisterhund bedrohte Adelsgeschlecht der Baskervilles samt Hauspersonal oder die durchs unheimliche Moor irrlichternden Geschwister Stapleton.

Humorige Bearbeitung

Wie sie alle in das mysteriöse Treiben in Devonshire involviert sind, vermag nur der aus London herbeigerufene Detektiv zu durchschauen - ein Umstand, den Birkmeirs humorige Überarbeitung etwas zu erschöpfend aufs Korn nimmt. Die Lösung des Rätsels interessiert nach zwei Stunden nicht mehr wirklich, hier ist eindeutig der Weg das Ziel. Zurückgenommen ist dabei allein das im Wesentlichen auf ein paar Schiebewände und Scherenschnitte beschränkte Bühnenbild von Vincent Mesnaritsch.

Regisseur Michael Schachermaier, der in der vergangenen Spielzeit unter anderem Raimunds Alpenkönig und Menschenfeind am Burgtheater inszenierte und ganz allgemein als Rohdiamant gilt, dreht den Lautstärkeregler auf Anschlag und erlaubt sich, Puppenspiel sei Dank, explizite Darstellungen, die bei konservativen Helikoptereltern für Schnappatmung sorgen könnten.

Den Kindern (ab zwölf Jahren) und Junggebliebenen gefällt es freilich. Hält sich die Spannung auch in Grenzen, so gibt es doch einige gelungene Gags und, das Atout der Aufführung, die wunderbaren hohlköpfigen Darsteller mit der großen Klappe. (Dorian Waller, DER STANDARD, 16.1.2014)

Bis 29. 3.

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Theater der Jugend

  • Gipfelkonferenz von Holz und Mensch im Theater der Jugend: Sherlock Holmes (Uwe Achilles, re.) bei gründlicher Erwägung eines natürlich überaus kniffligen Falls.
    foto: rita newman

    Gipfelkonferenz von Holz und Mensch im Theater der Jugend: Sherlock Holmes (Uwe Achilles, re.) bei gründlicher Erwägung eines natürlich überaus kniffligen Falls.

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