Wichtiges Etappenziel auf dem Weg in die Suhrkamp-Zukunft

15. Jänner 2014, 17:27
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Der Insolvenzplan für Suhrkamp wurde für rechtmäßig erklärt. Das renommierte Verlagshaus kann von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Der geschickte Schachzug der Familienstiftung stellt Minderheitseigner Hans Barlach vor Probleme

Berlin - Die Sitzung war nicht öffentlich, bekanntgegeben wurde nur das Ergebnis: Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg hat am Mittwoch den von den Gläubigern bereits gebilligten Insolvenzplan für den Suhrkamp-Verlag für rechtmäßig erklärt. Dies teilte der gerichtlich bestellte Sachwalter Rolf Rattunde mit. Der besagte Plan zielte ja von Beginn an nicht auf eine Abwicklung des renommiertesten deutschen Buchverlags, sondern auf eine Umwandlung von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft.

Dies soll darauf hinauslaufen, dass sich die bisherige Gesellschafterstruktur von Suhrkamp entscheidend verändern wird: Die Polarisierung zwischen den Mehrheitseigentümern, der Unseld-Familienstiftung, und dem mit 31 Prozent beteiligten Minderheitseigner Hans Barlach würde entschärft in dem Moment, in dem weitere Teilhaber involviert werden. Für Barlach, der mit einer Klage auf Abberufung der Geschäftsführerin Ulla Unseld-Berkéwicz die Serie von Verfahren eröffnet hatte, zu der die Causa Suhrkamp geworden war, bedeutet der Berliner Entscheid, der nicht überraschend kam, eine Niederlage, wenn auch noch keine endgültige, denn es gibt eine zweiwöchige Beschwerdefrist.

Frage nach Schadenersatz

Noch im vergangenen Oktober, nachdem Barlach ein in Frankfurt anhängiges Verfahren verloren hatte, mit dem er verhindern wollte, dass die Familienstiftung im Insolvenzverfahren ein Stimmrecht hat, hatte er angekündigt, er würde für den Fall der Genehmigung einer Umwandlung in eine AG auf Schadenersatz klagen. Ob er sich zu diesem Schritt entschließt, ist nun abzuwarten.

An der Gläubigerversammlung im Oktober hatten auch mehrere bekannte Autoren des Verlags teilgenommen. Während der gesamten Auseinandersetzung hatten sich die Autoren fast einhellig auf die Seite der Familienstiftung gestellt. In einer öffentlichen Erklärung hatten im September 200 von ihnen erklärt, sie würden in einem Verlag, in dem Barlach den Ton angibt, nicht bleiben wollen.

Der Insolvenzplan "in Eigenverwaltung" war in der gesellschaftsrechtlich verfahrenen Situation mit zwei restlos zerstrittenen Parteien ein geschickter Schachzug der Familienstiftung. Die FAZ sprach von einer "Entmachtungs- und Enteignungsprozedur", deren Opfer Barlach ist. Das Instrument dazu ist eine Kapitalerhöhung um 50 Prozent des Eigenkapitals, wodurch Barlachs Anteil entsprechend schrumpfen würde. Das Ehepaar Sylvia und Ulrich Ströher, das das Milliardenerbe aus dem Kosmetikkonzern Wella verwaltet, wird immer wieder als möglicher Teilhaber genannt. Sie haben während des Insolvenzverfahrens die Autorenhonorare des Suhrkamp-Verlags gezahlt und damit auch Ansprüche erworben.

Als Aktiengesellschaft braucht Suhrkamp nun einen Aufsichtsrat, der in absehbarer Weise mit Vertrauten der Familienstiftung besetzt werden wird, also mit Leuten, die an eben jenem Insolvenzplan mitgeschrieben haben, der nun rechtskräftig ist. Ob Suhrkamp tatsächlich konkursreif ist oder war, ist nun, da eine Lösung gefunden scheint, eigentlich nicht mehr von Belang. (Bert Rebhandl, DER STANDARD, 16.1.2014)

  • Ulla Unseld-Berkewicz, Witwe von Siegfried Unseld, behält im Erbstreit allmählich die Oberhand.
    foto: ap/thomas lohnes

    Ulla Unseld-Berkewicz, Witwe von Siegfried Unseld, behält im Erbstreit allmählich die Oberhand.

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