Papst beruft Schönborn in Aufsicht der Vatikanbank

15. Jänner 2014, 15:54
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Wiener Erzbischof: Ja zur überraschenden Ernennung, um Franziskus bei Kurienreform zu unterstützen

Vatikanstadt - Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn ist von Papst Franziskus in die Kardinalskommission zur Aufsicht über die Vatikanbank IOR berufen worden. Das teilte der Vatikan am Mittwoch laut Kathpress mit. Mit dem Einsatz der neuen Kommission plant Franziskus Medienberichten zufolge eine tiefgreifende Neuorganisation der immer wieder mit Skandalen in Verbindung gebrachten Bank.

Weitere neue Mitglieder der Kommission sind der Erzbischof von Toronto, Thomas Christopher Collins, der Erzpriester der römischen Kirche Santa Maria Maggiore, Kardinal Santos Abril y Castello, und der neue Staatssekretär und designierte Kardinal Pietro Parolin. Von den bisherigen Mitgliedern des Gremiums wurde nur Kardinal Jean-Louis Tauran bestätigt, der Präsident des päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. Ausgeschieden sind der frühere Vorsitzende der Kommission, Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, sowie die Kardinäle von São Paulo in Brasilien und Ranchi in Indien, Odilo Scherer (63) und Telesphore Toppo (73).

Franziskus berief die Mitglieder für fünf Jahre, einen neuen Vorsitzenden benannte er zunächst nicht. Vermutlich dürfte Parolin nach seiner Aufnahme ins Kardinalskollegium am 22. Februar diese Funktion übernehmen.

Schönborn sagt zu

"Gerne will ich den Papst in seinem Anliegen unterstützen, dass die Vatikanbank wieder ihren ursprünglichen Zweck erfüllt und dem Auftrag der Kirche dient", sagte Schönborn unmittelbar nach Bekanntwerden seiner Ernennung zu Kathpress. Dafür müssten "störende Elemente beseitigt werden", so Schönborn, der sich für das Vertrauen des Papstes dankbar zeigte und "nach Kräften und nach Maß der Möglichkeiten" die neue Aufgabe wahrnehmen will. Er habe der überraschenden Ernennung zugestimmt, weil es darum gehe, "Papst Franziskus in seinen Bemühungen zur Reform der Kurie und Erneuerung der Kirche zu unterstützen".

Nach etlichen Skandalen um dubiose Geldgeschäfte befindet sich das "Institut für die religiösen Werke", auch Vatikanbank genannt, gegenwärtig in einer Umstrukturierung. Der neue Aufsichtsratsvorsitzende, der Deutsche Ernst von Freyberg, will das Institut transparenter machen und internationalen Standards anpassen. Im Oktober veröffentlichte das IOR, das Einlagen in Höhe von 6,3 Milliarden Euro verwaltet, erstmals einen Jahresbericht. Der von Franziskus berufene Kardinalsrat zur Kurienreform will bei seinen nächsten Sitzungen über die Zukunft der Vatikanbank beraten. Bis dahin soll eine vom Papst eingesetzte Kommission unter der Leitung von Kurienkardinal Raffaele Farina Reformvorschläge für das IOR vorlegen. (APA, 15.1.2014)

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