Seltene Entdeckung in Sternhaufen: Planet umkreist einen "Zwilling" der Sonne

15. Jänner 2014, 16:04
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Mehrjährige Beobachtung von Messier 67 zeigt: Sternhaufen tanzen in Sachen Planetenbildung doch nicht aus der Reihe

Garching - Über 1.000 extrasolare Planeten kennt man bereits - seltsamerweise fanden sich nur sehr wenige davon im Inneren von Sternhaufen: Ein Umstand, der einer Erklärung bedürfte, schließlich entstehen die meisten Sterne in solchen Sternhaufen. Eine neue Studie deutet darauf hin, dass es sich dabei nur um ein scheinbares Rätsel handelt. Auch in Sternhaufen mangelt es offenbar nicht an Planeten.

Wie das Max-Planck-Institut für Astronomie meldet, haben Forscher mit dem HAPRS-Planetenjäger der ESO in Chile und weiteren Teleskopen auf der ganzen Welt drei Planeten um Sterne im 2.500 Lichtjahre entfernten offenen Sternhaufen Messier 67 entdeckt. Und einer dieser Sterne ähnelt unserer Sonne so stark, dass die Forscher von einem "Sonnenzwilling" sprechen.

Die Studie

Der Sternhaufen wurde über einen Zeitraum von sechs Jahren hinweg beobachtet, dabei nahmen die Forscher 88 von seinen insgesamt etwa 500 Sternen genauer unter die Lupe. Dabei wurde nach den winzigen und dennoch verräterischen Bewegungen der Sterne relativ zur Position der Erde gesucht - solche Schwankungen deuten auf die Präsenz von Planeten in der Umlaufbahn hin. Da die Sterne in M 67 eher leuchtschwach sind, wurde HARPS an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit gebracht - aber gerade deshalb sind die Erkenntnisse ja so wertvoll.

Studienerstautorin Anna Brucalassi vom Garchinger Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik zu der Entdeckung: "Im Sternhaufen Messier 67 haben alle Sterne etwa das gleiche Alter und die gleiche chemische Zusammensetzung wie die Sonne. Dies macht sie zu einem perfekten Fallbeispiel, um zu untersuchen, wie viele Planeten in so einer bedrängten Umgebung entstehen und ob sie eher um massereichere oder masseärmere Sterne zu finden sind." 

Die Funde

Insgesamt drei Planeten wurden gefunden. Zwei davon kreisen jeweils um einen sonnenähnlichen Stern, und einer dieser beiden Sterne ist der sogenannte Sonnenzwilling. Diese beiden Planeten haben jeweils etwa ein Drittel der Jupitermasse und umkreisen ihre Muttersterne in sieben bzw. fünf Tagen. Ihre entsprechend der kurzen Zeit enge Umlaufbahn macht sie zu sogenannten "Heißen Jupitern". Der dritte Planet kreist um einen massereichen Roten Riesen. Er benötigt 122 Tage für einen Umlauf und ist massereicher als Jupiter.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass Planeten in offenen Sternhaufen in etwa so häufig vorkommen wie bei isolierten Sternen – sie sind aber nicht einfach zu finden", fügt Luca Pasquini von der ESO in Garching hinzu, Koautor der Studie. Damit kann auch die These verworfen werden, dass die Planetenentstehung in Sternhaufen durch unbekannte Faktoren irgendwie anders verlaufen könnte als bei isolierten Sternen. Der vermeintliche Planetenmangel hatte zu dieser Vermutung geführt - doch handelte es sich offenbar nur um ein Beobachtungsproblem. (red, derStandard.at, 15.1.2014)

  • Fast wie daheim: Der Stern im offenen Sternhaufen M 67 sieht unserer Sonne zum Verwechseln ähnlich, der Planet hingegen - ein "Heißer Jupiter" - wirkt für unsere Begriffe eher exotisch.
    illustration: eso/l. calçada

    Fast wie daheim: Der Stern im offenen Sternhaufen M 67 sieht unserer Sonne zum Verwechseln ähnlich, der Planet hingegen - ein "Heißer Jupiter" - wirkt für unsere Begriffe eher exotisch.

  • Weitwinkelaufnahme des 2.500 Lichtjahre entfernten Sternhaufens M 67.
    foto: eso/digitized sky survey 2, davide de martin

    Weitwinkelaufnahme des 2.500 Lichtjahre entfernten Sternhaufens M 67.

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