Neue Urlaubspläne für "einen Winter ohne Schnee"

16. Jänner 2014, 05:30
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Die Plattform "Kritischer Tourismus 2030" sucht nach neuen Wegen für Österreichs Fremdenverkehr

Salzburg - Der warme und in Österreich nördlich des Alpenhauptkamms im Dezember und Jänner so gut wie schneelose Winter 2013/2014 macht die Problemlage auch für Laien deutlich: Ein Wintertourismus, der allein auf den traditionellen Wintersport - und hier vor allem auf das Pistenskifahren - setzt, stößt durch den Klimawandel an seine Grenzen.

Für die Tourismuswirtschaft - sie trägt 7,4 Prozent zum österreichischen Bruttoinlandsprodukt bei - ein Alarmzeichen? Leider nein, sagt der Salzburger Hotelier und Gastronom Sepp Schellhorn: "Die meisten würden nur bis zur nächsten Preisliste denken", lautet sein Urteil über die eigene Branche. Schellhorn weiß, wovon er spricht. Er war von 2003 bis 2013 Präsident der Hoteliervereinigung.

Das Thema "verschlafen"

Und weil die Branche das Thema "verschlafen" habe, wie Schellhorn meint, hat er gemeinsam mit dem ehemaligen ORF-Journalisten Michael Kerbler die Denkwerkstatt "Kritischer Tourismus 2030" ins Leben gerufen. Das Ziel ist eine ganzheitliche Sicht der Tourismuswirtschaft, in der ökologische wie ökonomische Effekte bewertet und neue Strategien entwickelt werden. Im Quartalsrhythmus sind dazu Dialogforen in Schellhorns Heimatort Goldegg (Pongau) geplant.

Aus aktuellem Anlass, aber auch weil die Thematik gerade für den Winterfremdenverkehr seit Jahren unter den Nägeln brennt, stand Ende vergangener Woche der "Tourismus im Klimastress" auf der Tagesordnung.

Hohe, kühle Regionen

Der Hauptreferent des Treffens, Franz Dollinger von der Abteilung Grundlagenforschung im Referat Raumplanung der Salzburger Landesregierung, sieht die Alpenregion vorerst als Gewinnerin des Klimawandels. Die höheren Regionen würden auch in vierzig Jahren immer noch kühl genug sein, "um hitzegeplagten Flachlandbewohnern Erholung bieten zu können", schreibt Dollinger in einem Fachbeitrag zur Entwicklung im Alpenraum bis zum Jahr 2050.

Schon jetzt sei der Trend zur kühlenden Sommerfrische bemerkbar, meint Dollinger. Die arabischen Gäste im Pinzgau seien so ein Beispiel, aber auch die italienischen Gäste, die im Sommer vermehrt nach Salzburg kämen.

Drei-Klassen-Tourismus

Allerdings geht Dollinger davon aus, dass die Regionen zunehmend unter Erschließungsdruck kommen werden. Dabei gehe es nicht nur um Schneekanonen oder um Wasserreservoirs, sondern auch im Bauprojekte, die kaum mit den Naturräumen und dem Landschaftsbild in Einklang zu bringen seien. Dollinger geht davon aus, dass sich bis 2030 eine "Drei-Klassen-Gesellschaft" im Tourismus entwickeln werde. Gewinner seien die kapitalstarken Tourismuszentren mit hoch gelegenen Skigebieten, mit einem perfekten Angebot für Wohlhabende.

Angebot: Sommerfrische

Dann kämen die Sommertourismusregionen mit Badeseen. Auch sie wären Klimawandelgewinner, die Sommerfrische in Kombination mit Landschaft und Kultur für die Mittel- und Oberschicht anbieten könnten.

Tourismusgebiete, die weder Schnee noch Seen im Angebot hätten, müssten auf die Wellness-Kundschaft und den Naturschutz als Teil eines nachhaltigen touristischen Gesamtkonzeptes setzen. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 16.1.2014)

  • Tourismus im Klimastress: Mit Schneekanonen allein wird es nicht getan sein.
    foto: dpa

    Tourismus im Klimastress: Mit Schneekanonen allein wird es nicht getan sein.

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