Held sein, leicht gemacht

Kommentar15. Jänner 2014, 14:17
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Hermann Maier Mut und Zivilcourage zu attestieren ist fast schon zu viel des Guten

Hermann Maier hat unter den Lesern Heldenstatus. Er ist in den Foren nicht mehr der Herminator, nein, er ist neuerdings "Hermann Eier". Maier hat im ORF seinen Verzicht auf eine Reise zu den Olympischen Spielen in Sotschi bekanntgegeben. Nicht etwa weil der ehemalige Skiprofi Windeln wechseln und Wiegenlieder singen muss, sondern weil ihm die politische Situation in Russland, insbesondere jene der Homosexuellen, missfällt.

Maier wäre ohne offizielle Funktion nach Sotschi gereist, er verzichtet weder auf das Tragen der Fahne noch auf eine Medaille. Er lässt sich lediglich das Buffet im Österreich-Haus, das Aufwärmen alter Geschichten und eine ganze Horde Schulterklopfer entgehen. Der Olympiasieger von 1998 bringt kein Opfer und vertritt eine Meinung, die absolut gesellschaftsfähig ist. Keine gewagte These: In seiner aktiven Zeit wäre Maier ohne größere Bedenken nach Sotschi gefahren, um Gold abzuholen. Ihm nun also Mut und Zivilcourage zu attestieren ist fast schon zu viel des Guten.

Warum Maier trotzdem gefeiert wird? Weil das Einfordern gesellschaftlicher Mindeststandards neben der bedenklichen Meinung von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel zum Thema Homosexualität schon als bemerkenswert gilt. Weil Politikern oft klare Worte fehlen. Weil Funktionäre sich lieber auf die Trennung von Sport und Politik ausreden. Maier kann nur in diesem Umfeld zum Helden avancieren. Zwischen Funktionären und Politikern mit mehr Rückgrat wären seine Aussagen kaum der Rede wert. (Philip Bauer, derStandard.at, 15.1.2014)

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