"Scheiße schön verpackt": Proteste bei Eröffnung

Ansichtssache15. Jänner 2014, 12:36
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Rund 30 Demonstranten zückten Trillerpfeifen und Transparente

Am Mittwoch wurde in der Steiermark das umstrittene Schubhaftzentrum Vordernberg eröffnet. Es kam zu Demonstrationen. Eine Gruppe von circa 30 Personen, unter ihnen Vertreter der Refugee-Bewegung, protestierte gegen die neue Einrichtung. "Scheiße schön verpackt", stand auf einem Transparent zu lesen.

Kommende Woche sollen die ersten Schubhäftlinge in die Räumlichkeiten einziehen. Konrad Kogler, Generaldirektor für öffentliche Sicherheit im Innenministerium, sprach vom "letzten Schritt der Bauphase" und dem "ersten Schritt ins Leben" des Anhaltezentrums. Er lobte Bürgermeister Walter Hubner (SPÖ) und die Vordernberger: "Sie haben sich Applaus verdient." Beispielhaft habe es das Gemeindeoberhaupt seit 2009 geschafft, seine Bürger vom Zentrum zu überzeugen. Bei einer entsprechenden Bürgerbefragung hatten sich 70 Prozent dafür ausgesprochen.

Nach der offiziellen Eröffnung am Vormittag drängten am Nachmittag Hunderte Bürger aus der Region zum "Tag der offenen Tür" ins neue Anhaltezentrum in Vordernberg. Bereits um 15.00 Uhr, als die Pforten geöffnet wurden, hatte sich eine große Menschentraube vor dem Eingang gebildet. Darunter auch jene Demonstranten, die schon am Vormittag die Eröffnung gestört hatten.

"Schöner als wir daheim"

Die Vordernberger hatten für die Demonstranten nur wenig Verständnis. Manche meinten, die zukünftigen Insassen hätten es "schöner als wir daheim". In das Schubhaftzentrum wurden laut den Betreibern rund 25 Mililonen Euro an Investitionen gesteckt.

Für Diskussion hatte im Vorfeld nicht nur die Standortauswahl sondern auch die Zusammenarbeit mit der privaten Sicherheitsfirma "G4S" gesorgt. Die Grünen forderten am Mittwoch anlässlich der Eröffnung die Veröffentlichung aller Vertragsteile. "Die Verträge mit der privaten Securityfirma G4S sind noch immer nicht restlos offengelegt und mehrere Fragen weiter ungeklärt", erklärte Menschenrechtssprecherin Alev Korun am Mittwoch in einer Aussendung.

"Bei den noch immer geheim gehaltenen Vertragsteilen handelt es sich um zentrale Bestimmungen, die die Abgrenzung der Aufgaben zwischen G4S und Polizei gerade im Überwachungsbereich regeln. Sowohl die Innenministerin als auch der Bürgermeister von Vordernberg stellen sich auch nach meinem offenen Brief bezüglich Veröffentlichung dieser Vertragsteile tot", kritisierte Korun. (APA/red, derStandard.at, 15.1.2014)

foto: colette schmidt

Projekt-Gegner reisten zur Eröffnung nach Vordernberg. Sie lehnen "Deportationen" von Asylwerbern ab.

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foto: colette schmidt

"Scheiße schön verpackt." So bezeichnen Demonstranten das neue Anhaltezentrum in Vordernberg.

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foto: colette schmidt

Beim offiziellen Teil innen. Die Polizisten tragen Krawatten.

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Demonstranten verstellen die Tür ...

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foto: colette schmidt

... bis die Polizei eingreift. Rund 100 Polizisten kesselten die 30 Demonstranten ein.

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foto: apa/erwin scheriau

Einige der Protestierenden wurden physisch beamtshandelt ...

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foto: apa/erwin scheriau

... während bei der offiziellen Eröffnung im Haus um Gottes segen gebeten wurde.

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