Volkswagen feiert Fiesta Mexicana

15. Jänner 2014, 11:08
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VW baute am Standort Puebla in Mexiko bisher zehn Millionen Autos, eine ganze Region hängt an dem Riesenwerk

Puebla/Wolfsburg - Bei schönstem Sonnenschein geht ein Wolkenbruch auf den Beetle nieder. Nachdem der künstliche Regen im VW-Werk Puebla nachgelassen hat, kriecht José Abel Perez in den Neuwagen und sucht nach undichten Stellen. "Ich war schon in der Presserei, der Montage und der Lackiererei", sagt der Mexikaner. "Jetzt kontrolliere ich in der Endabnahme die Qualität."

Seit 20 Jahren arbeitet Perez bei Volkswagen. Er hat Fahrzeugmodelle kommen und gehen gesehen, bald wird er die Dichtungen des Golf 7 prüfen. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens von Volkswagen de Mexico ist in Puebla die Produktion der neuesten Version des Wolfsburger Verkaufsschlagers angelaufen. Ab Sommer soll der Golf in den Vereinigten Staaten verkauft werden.

Milliarden-Investition

"Der Produktionsstart des Golf 7 wird Volkswagen in Nordamerika ordentlich Schub nach vorn geben", sagte VW-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn  bei der Jubiläumsfeier in Puebla. Bis 2018 will Volkswagen in der Region sieben Milliarden US-Dollar (5,12 Mrd. Euro) investieren. Ein Großteil davon dürfte nach Mexiko fließen.

Erfolgsmeldungen aus der Region hat Volkswagen dringend nötig. Auf dem wichtigen US-Markt gaben die Verkäufe der Kernmarke im vergangenen Jahr um annähernd sieben Prozent auf 408.000 Fahrzeuge nach. Verantwortlich dafür ist nach Einschätzung von Experten vor allem, dass VW zuletzt keine neuen Modelle mehr vorstellte und deshalb gegenüber der Konkurrenz ins Hintertreffen geriet.

Nach Wolfsburg ist Puebla mit knapp 15.000 Mitarbeitern das zweitgrößte VW-Werk weltweit. Über 500.000 Fahrzeuge werden dort pro Jahr gefertigt. Ein Großteil der in Mexiko gebauten Fahrzeuge wird in die USA importiert. In Puebla laufen auch die Modelle Jetta, Beetle und Beetle Cabrio vom Band.

"Bislang ist Mexiko auf jeden Fall eine Erfolgsgeschichte für VW", sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch-Gladbach. "Das Unternehmen profitiert von der Nähe zu den USA, den Währungsvorteilen und der guten Infrastruktur."

Wettbewerbsvorteil Mexikos

Mexiko hat Freihandelsabkommen mit über 40 Ländern unterzeichnet. Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo sagte, er wolle die wirtschaftliche Integration seines Landes in die globalen Märkte noch weiter vorantreiben. "Das ist ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil Mexikos", sagt der Pressesprecher von VW-Mexiko, Thomas Karig.

Vor einem Jahr eröffnete Volkswagen im mexikanischen Silao sein 100. Werk. Dort werden TSI-Motoren für Puebla und den US-Standort Chattanooga gefertigt. In Queretaro unterhält der Konzern zudem eine Fabrik der Nutzfahrzeugtochter MAN. Ab 2016 will die Premium-Marke Audi in San Jose Chiapa den Geländewagen Q5 bauen.

Doch keine Region in Mexiko hat Volkswagen so stark geprägt wie Puebla. VW ist der größte Arbeitgeber in der Stadt, zahlreiche Zulieferer in der Umgebung sind von dem Auto-Riesen abhängig. Über 60 Prozent der Teile kauft Volkswagen in Mexiko ein.

"Die Zukunft des Standorts Mexiko hängt nun davon ab, ob VW Antworten auf die Herausforderungen in den Vereinigten Staaten findet", sagt Bratzel. Bei der Jubiläumsfeier in Puebla verbreitete VW-Vorstandschef Winterkorn Zuversicht: "Wir stehen fest zum Standort Mexiko."

Die Automobilindustrie ist ein wichtiger Wirtschaftszweig in Mexiko. Im vergangenen Jahr wurden im Land 2,9 Millionen Fahrzeuge gefertigt. Bereits jetzt erwirtschaftet die Branche vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts. 2018 könnte sie acht Prozent und damit genauso viel wie der Erdölsektor beitragen, prognostizierte der Analyst Marco Oviedo von der britischen Großbank Barclays im vergangenen Jahr. (APA/dpa, 15.1.2014)

  • Unverkennbar - ein Käfer.
    foto: reueters/fabian bimmer

    Unverkennbar - ein Käfer.

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