Textilien im Kampf gegen Viren und Bakterien

15. Jänner 2014, 12:22
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Deutsche Wissenschaftler konnten in einer Studie den Nutzen von Reinigungstüchern mit antiviraler und antibakterieller Wirkung nachweisen

Bönnigheim - Wissenschaftler der Hohenstein Institute in Bönnigheim haben Reinigungstücher mit antiviraler und antibakterieller Funktion entwickelt, die etwa in Kindergärten oder Krankenhäusern bei der Unterbrechung von Infektionsketten helfen sollen.

Der Großteil der infektbedingten Atemwegserkrankungen wird durch Viren verursacht. So führt beispielsweise das respiratorische Syncytialvirus - ein zur Familie der Paramyxoviren gehörender Erreger - insbesondere bei Kleinkindern zu Infektionen der oberen Atemwege in Form von Schnupfen, Husten, akuter Bronchitis oder gar Pneumonie.

Vor allem mit Beginn der kalten Jahreszeit sind steigende Infektionsraten zu beobachten. Durch Noro- und Rotaviren verursachte Durchfallerkrankungen sowie bakterielle Erkrankungen der Atemwege und des Verdauungstraktes haben im Gegensatz dazu das ganze Jahr über "Saison".

Mehrere Übertragungswege

Um Tröpfchen- und Schmierinfektionen vorzubeugen, sollte Medizinern zufolge speziell auf die Hygiene von Händen, Textilien und Oberflächen geachtet werden.

Auch über Textilien können Krankheitserreger übertragen und verteilt werden. Zwar verfügen Viren nicht über einen eigenen Stoffwechsel und können deshalb außerhalb eines Wirtskörpers nur eine begrenzte Zeit überleben und sich dort im Gegensatz zu Bakterien auch nicht vermehren. Durch Studien konnte allerdings belegt werden, dass Textilien, die in regelmäßigem Kontakt zu den Händen stehen, nachweislich auch zur der Übertragung von Viren beitragen können. Demnach stellen Kleidung sowie Haushalts- und Krankenhaustextilien (Bettwäsche, Handtüchern, Küchentüchern) einen wichtigen potenziellen Übertragungsweg für Viren dar.

Dritter wichtiger Übertragungsweg für Viren, sind Oberflächen aller Art, die ebenfalls über die Hände oder die Atemluft mit Viren und Bakterien kontaminiert werden können. Ein weiterer wichtiger Baustein der Infektionsprophylaxe ist nach Ansicht der Forscher die Oberflächenreinigung. Diesen Aspekt haben die deutschen Wissenschaftler aufgegriffen und in einem Versuch die antivirale und antibakterielle Wirksamkeit in Textilien miteinander kombiniert. "Langfristig interessiert uns, ob das Infektrisiko, also die Keimübertragung von Mensch zu Mensch, mithilfe biofunktioneller Textilien künftig reduziert werden kann", so Dirk Höfer, Leiter der Abteilung Hygiene, Umwelt und Medizin der Hohenstein Institute.

Zwei Verfahren geprüft

Um das zu prüfen, wurden zunächst verschiedene organische und anorganische Kupferverbindungen in kolloidaler oder nanopartikulärer Form sowie Kupferkomplexe in einem Sol-Gel-Prozess aufgebracht. Durch verschiedene Applikationstechniken wie Foulard- oder Spray-Verfahren konnte die Wirksamkeit der textilen Mikrofaser-Substrate verbessert werden. Die Inaktivierbarkeit der Testviren war nach Aussagen des Forscherteams signifikant und über 15 Waschzyklen haltbar sowie abriebbeständig. 

Eine zweite alternative antivirale Ausrüstung von Mikrofasertüchern wurde durch Veredelung mit Kupferpigmenten im Hochtemperatur-Ausziehverfahren erreicht. Ähnlich wie bei der Färbung mit Dispersionsfarbstoffen wurden die dispergierten Kupferpigmente im schwach sauren Milieu in die Faser gebracht. Danach erfolgte die Fixierung mit Hilfe eines polymeren Bindemittels durch Kaltklotzverfahren ("KKV") - um die Kupferteilchen vor mechanischem Abrieb zu schützen. Auch diese Variante wies gute Egalitäten auf, doch zeigte sich mit der Zeit ein leichter Grünton gegenüber der ursprünglichen Gewebefarbe (siehe Bild oben). 

Senkung der Keimtransferrate

Die praxisnahen Wirksamkeitstests erfolgten auf unterschiedlichen Oberflächen wie Glas, Edelstahl oder Holz, welche mit Viren kontaminiert und mit den entwickelten Reinigungstüchern abgewischt wurden. Als Testvirus wurde der Bakterienvirus MS2 verwendet, ein apathogenes Surrogatvirus, welches anhand seiner Struktur und Umweltstabilität mit klinisch relevanten Viren wie beispielsweise Norovirus, Poliovirus, Hepatitis A oder Enteroviren vergleichbar ist.

Die ausgerüsteten Mikrofasertücher haben 91 Prozent der applizierten Viren aufgenommen. Gleichzeitig wurde eine Reduzierung der Viruskonzentration im Tuch von rund 90 Prozent erreicht. Zusätzlich wurden Wirksamkeitsprüfungen gegen Bakterien und Schimmelpilze nach normativen Vorgaben (DIN EN ISO 20743 und EN 14119) durchgeführt.

Die Studie zeigte, dass antivirale Reinigungstücher einen wirksamen hygienischen Effekt leisten und zu einer Senkung der Keimtransferrate beitragen könnten, so die Wissenschaftler - denn beide Varianten haben auch die Laborprüfungen zur Frage der Hautverträglichkeit bestanden. (red, derStandard.at, 15.1.2014)

  • Um Tröpfchen- und Schmierinfektionen vorzubeugen, sollte speziell auf die Hygiene von Händen, Textilien und Oberflächen geachtet werden.
    foto: apa/dpa/patrick pleul

    Um Tröpfchen- und Schmierinfektionen vorzubeugen, sollte speziell auf die Hygiene von Händen, Textilien und Oberflächen geachtet werden.

  • Beide getesteten Reinigungstücher bestanden den Praxistest, allerdings zeigte sich bei der zweiten Variante ein leichter Grünton im Vergleich zur ursprünglich Gewebefarbe.
    foto: hohenstein institute

    Beide getesteten Reinigungstücher bestanden den Praxistest, allerdings zeigte sich bei der zweiten Variante ein leichter Grünton im Vergleich zur ursprünglich Gewebefarbe.

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