"Kinderfeindliche Regeln" bleiben in der Steiermark vorerst unangetastet

15. Jänner 2014, 16:00
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Flexiblere Modelle erwünscht, Stundenkontingente vorgeschlagen: Land bleibt hart - Anwesenheitszeiten für Kinder bleiben fix

Graz - Beim Wort Anwesenheitspflicht denkt man eigentlich eher an Uniseminare als an Kinderbetreuungsstätten. In der Steiermark gilt sie aber auch für Kleinkinder. Ein umstrittener Umstand, der schon vor einigen Monaten – derStandard.at berichtete - für Aufregung bei Kindergarten- und Kinderkrippenbetreibern und auch Tagesmüttern sorgte, an dem sich aber, geht es nach der Landesregierung, auch 2014 nichts ändern wird.

Die Kontrolleure des Landes, die nachsehen, ob etwa in Kindergärten mit Gleitzeitmodellen mit zehn bis 14 Stunden Öffnung abends auch wirklich noch alle angemeldeten Kinder zugegen sind, arbeiten völlig an der Lebensrealität von Eltern, Pädagogen und nicht zuletzt Kindern vorbei, sagen Kritiker. Wer etwa jeden Tag verschiedene Arbeitszeiten hat und daher sein Kind manchmal später, manchmal früher abholt, riskiert, dass der betreffende Kindergarten Fördergelder verliert. Auch bei der Entscheidung, wann man im Sommer mit seinem Nachwuchs auf Urlaub fährt, wird einem darüber hinaus vom Land Steiermark einiges an Regelungen auferlegt, die das Leben vieler Familien verkomplizieren.

"Bedürfnisse der Behörden"

Nach dem Artikel auf derStandard.at brachte die Grünen-Landtagsabgeordnete Ingrid Lechner-Sonnek im Oktober einen Antrag im Landtag ein, in dem sie unter anderem konstatierte: "Die Behörde sollte sich den Menschen anpassen, nicht die Menschen den Bedürfnissen der Behörde."  Außerdem forderte Lechner-Sonnek den Landtag auf zu beschließen, in Kindergärten mit erweitertem Ganztagesbetrieb in Hinkunft flexible Modelle zuzulassen, um den Bedürfnissen von Kindern und Eltern sowie pädagogischen Erfordernissen gerecht zu werden.“

Dieser Tage kam die Antwort des zuständigen Landesrates Michael Schickhofer (SPÖ). Hoffnung, dass sich die Situation verändern wird, lässt diese keine zu. "Er hat uns im Großen und Ganzen das Gesetz noch einmal schön erklärt", sagt Brigitte Oberzaucher, Vorstandsmitglied aus dem Interkulturellen Kindergarten in Graz, der als einer der ersten öffentlich darauf aufmerksam machte, dass die Qualität der pädagogischen Arbeit gefährdet sei. Aber genau mit dieser versucht auch Schickhofer zu argumentieren, wenn er in der Beantwortung erklärt, dass "für den Aufbau eines Vertrauensverhältnisses außerhalb des familiären (Schutz-)bereiches Kontinuität im Betreuungsablauf essentiell" sei. Dass Kinder für den Aufbau von Vertrauen allerdings immer auf die Minute genau zur gleichen Zeit abgeholt werden müssen, wird wohl kein Experte bestätigen.

Vorschlag: Stundenkontingent

Dem vom Interkulturellen Kindergarten vorgeschlagenen Stundenkontingent, das Eltern bezahlen und dann nach Bedarf konsumieren könnten, damit das Land Missbrauch von Fördergeldern ausschließen könnte, erteilt Schickhofer in dem Schreiben eine Absage. "Ändern soll sich laut Schickhofer also nichts, die Landesregierung will nicht von ihren bürokratischen und kinderfeindlichen Regeln abkommen", ärgert sich Lechner-Sonnek angesichts der Antwort.

Kinderbetreuungsgipfel

Ebenfalls in die Causa eingeschalten haben sich die Kommunisten, deren Klubchefin Claudia Klimt-Weithaler, selbst Pädagogin und vor ihrem Gang an die Spitze der Partei Gründerin einer privaten reformpädagogischen Kinderkrippe in Graz, hat für Donnerstag, den 16. Jänner alle betroffenen Kinderpädagoginnen und Pädagogen zu einem "Kinderbetreuungsgipfel" geladen. Für KPÖ und Grüne ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. (Colette M. Schmidt, derStandard.at, 15.1.2014)

  • Wer angemeldet ist, muss bleiben: Kontrolleure des Landes Steiermark sehen nach, ob etwa in Kindergärten mit Gleitzeitmodellen mit zehn bis 14 Stunden Öffnung abends auch wirklich noch alle angemeldeten Kinder zugegen sind.

    Wer angemeldet ist, muss bleiben: Kontrolleure des Landes Steiermark sehen nach, ob etwa in Kindergärten mit Gleitzeitmodellen mit zehn bis 14 Stunden Öffnung abends auch wirklich noch alle angemeldeten Kinder zugegen sind.

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