Mercedes-Benz A 45 AMG: Ah geh, AMG

22. Jänner 2014, 16:53
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Die Tuningfreunde von Mercedes haben sich nun auch der kleinen A-Klasse angenommen mit jeder Menge Leistung gepimpt

Ein heikles Auto. Mercedes. A-Klasse. An und für sich ein vernünftiges Auto, Kompaktklasse, betuchte Kundschaft, viele Frauen, praktisch denkende Menschen. Noch kein Prestigeobjekt, eher Fortbewegungsmittel, gehobener Preis. Mercedes eben. Fast schon Lodenmantel.

Und dann das. 360 PS. Flügel am Dach. Völliger Irrsinn. Statt vornehmer Zurückhaltung rüpelt der Wagen jetzt herum, macht einen auf Lederjacke, ist laut und lässt jede Zurückhaltung fahren. Und er ist schnell, richtig schnell. Was den Ansatz der Konstrukteure betrifft, schwankt der Anspruch irgendwo zwischen Geniestreich und Wahnsinn. Der Wagen protzt vor Kraft und Aggressivität. Er ist tiefer, duckt sich in einen Spannungsbogen wie ein Sprinter in der Startmaschine.

In dieser Variante nennt sich der Wagen jetzt A 45 AMG, und die Tuner der Mercedes-Tochter AMG meinen es ernst, sie meinen Sportwagen. Der Wagen ist ernsthaft schnell, und die Konstrukteure haben alles unternommen, dass der Mensch am Steuer auch halbwegs in der Lage ist, die Leistung auf die Straße zu bringen, ohne sich und das Auto gleich zu derstessen.

Das erste Mal ...

Bei Mercedes freilich spricht man vom Einstiegsmodell, die A-Klasse öffnet dem eiligen Menschen die Autotür ins Cockpit der AMG-Welt. Es ist das erste Mal, dass sich AMG der Kompaktklasse von Mercedes-Benz angenommen hat, sonst geht man die Sache ja von der anderen Seite her an und motzt einmal die Spitzenklasse auf, macht sie noch sportlicher, aggressiver und schneller.

Aber auch der Kleinwagen will beschleunigt werden: Mit einer Höchstleistung von 360 PS und einem maximalen Drehmoment von 450 Newtonmetern ist der 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbomotor der weltweit stärkste in Serie produzierte Vierzylindermotor überhaupt. Das garantiert ein gewaltiges Vortriebspotenzial aus dem Stand heraus. Der A 45 AMG mit Allradantrieb beschleunigt in 4,6 Sekunden von null auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 250 km/h elektronisch begrenzt.

1,8 bar und sieben Gänge

Der sogenannte Twinscroll-Turbolader sorgt dafür, dass die Leistungsexplosion jederzeit abgerufen werden kann, der Ladedruckaufbau von bis zu 1,8 bar geschieht spontan. Das garantiert ein giftiges Ansprechverhalten des kleinvolumigen und leistungsstarken Motors. Dazu passt das sekundenbruchteilschnelle Siebenganggetriebe, das am Lenkrad geschaltet werden kann.

Die Zielgruppe des kleinen Sportlers ist etwas jünger als die sonst so übliche Laufkundschaft bei Mercedes, für den A 45 AMG interessieren sich wohl eher die 30- bis Mitte-40-Jährigen. Vielleicht sollten sie nicht ganz knapp bei Kasse sein, auch wenn der A 45 AMG mit den ausgewachsenen Supersportlern auf Mercedes-Basis preislich kaum vergleichbar ist. Der Listenpreis liegt bei 54.740 Euro.

Für den fortgeschrittenen Kunden und Käufer böte sich noch die Edition 1 an, die die AMG-Basisversion auch optisch noch ein wenig zuspitzt oder schärfer macht, wie man in Tuningkreisen sagt. Das Auto ist dann entweder weiß, nämlich zirrusweiß, oder schwarz, nämlich kosmosschwarz, dafür aber metallic. Diverse Streifen, früher Rallyestreifen genannt, auf Dach und Haube, sowie rote Akzente an Grill, Spiegeln und Heckflügel geben dem kleinen Mercedes auch optisch die dynamische Opulenz. Macht dann insgesamt 63.150 Euro.

Alles in allem: Unauffällig ist der A 45 AMG nicht, wer es dezent liebt, sollte die Finger davon lassen. Dafür bietet der kleine Tuning-Benz wirklich eine brutale Leistung, wer damit umgehen kann, wird seine Erfüllung finden. (Michael Völker, DER STANDARD, 16.1.2014)

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Mercedes-Benz

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • Lodenmantel oder Lederjacke? AMG hat mit 360 PS die A-Klasse dynamisiert.
    foto: christian fischer

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  • Pimp my A-Klasse: Der Heckspoiler - einmal anders interpretiert - spielt mit dem Wind.
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