Israelischer Minister entschuldigt sich bei Kerry

15. Jänner 2014, 21:06
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Erklärung von Verteidigungsminister Yaalon nach Verbalattacke gegen US-Außenminister

Verächtliche Worte von Israels Verteidigungsminister Mosche Yaalon über US-Außenminister John Kerry haben zu einer peinlichen Verstimmung zwischen den Staaten geführt, die die israelische Führung zuletzt betreten zu retuschieren versuchte. Unter Druck seines Premiers Benjamin Netanjahu veröffentlichte Yaalon in der Nacht auf Mittwoch eine schriftliche Erklärung, in der er sich entschuldigte, ohne die Äußerungen, mit denen er zitiert wurde, zu dementieren.

"Ich entschuldige mich"

"Ich wollte Außenminister Kerry nicht beleidigen, und ich entschuldige mich, wenn die mir zugeordneten Bemerkungen ihn getroffen haben" , schrieb Yaalon. Zuvor hatte Netanjahu offenbar zur Beschwichtigung des Sturms im Parlament gesagt: "Auch wenn wir Meinungsverschiedenheiten mit den USA haben, so sind sie immer sachlich und nicht persönlich. Wir unternehmen in Zusammenarbeit mit dem Präsidenten der USA, dem Vizepräsidenten und ihrem Außenminister Anstrengungen mit dem Ziel, Frieden und Sicherheit und die Stabilität in der Region zu fördern."

Laut Berichten aus den USA erwartete Washington aber eine deutlichere Distanzierung Netanjahus von den Worten seines Likud-Parteifreunds. "Wir finden die Bemerkungen des Verteidigungsministers beleidigend und unangebracht, besonders im Hinblick auf all das, was die USA zur Unterstützung von Israels Sicherheitsbedürfnis getan haben,"  erklärte eine Sprecherin des State Department.

Yaalons Worte waren offenbar in einem Hintergrundgespräch gefallen, wurden aber trotzdem von einem Journalisten der Tageszeitung Jediot Acharonot publiziert. Demnach hatte Yaalon gesagt, Kerrys Vermittlungstätigkeit beruhe auf "einer unverständlichen Besessenheit und einem messianischen Gefühl" . Das von Kerry vorgeschlagene Sicherheitsarrangement sei "das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben ist". Yaalons Schlussfolgerung: "Das Einzige, was uns retten kann, ist, dass Kerry den Nobelpreis bekommt und uns in Ruhe lässt." Der 63-jährige frühere Armeechef Yaalon ist ein Sicherheitsfalke vom rechten Flügel des konservativen Likud, gilt aber nicht als Provokateur. Sowohl die israelische als auch die palästinensische Seite halten die Erfolgschancen Kerrys, der demnächst zu seinem elften Besuch in zehn Monaten erwartet wird, für gering. Doch ein hochrangiger Politiker wie Yaalon hätte das nicht aussprechen dürfen, meinten auch Kritiker innerhalb der israelischen Regierung. "Man kann nicht auf so aggressive Art die Beziehungen mit den USA beschädigen" , sagte Justizministerin Zipi Livni, und Oppositionschef Jizchak Herzog ätzte: "Ich sage dem Verteidigungsminister Danke, er hat das wahre Gesicht dieser Regierung bloßgelegt." (Ben Segenreich aus Tel Aviv /DER STANDARD, 16.1.2014)

  • Dem israelischen Verteidigungsminister Mosche Yaalon gefällt der Einsatz von US-Außenminister John Kerry für die Friedensgespräche zwischen Israel und den Palästinenser nicht.
    foto: epa/ariel harmoni

    Dem israelischen Verteidigungsminister Mosche Yaalon gefällt der Einsatz von US-Außenminister John Kerry für die Friedensgespräche zwischen Israel und den Palästinenser nicht.

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