Waffenruhe in mehreren Vororten von Damaskus

14. Jänner 2014, 19:41
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Rebellen sollen schwere Waffen abgeben

Damaskus - Eine Friedenslösung für Syrien ist nicht in Sicht. Deshalb ergreifen die ausgehungerten Menschen in den von Regierungstruppen umzingelten Ortschaften jetzt selbst die Initiative. Im Umland von Damaskus gibt es jetzt erste Waffenruhe-Vereinbarungen.

Die Bewohner einiger Vororte von Damaskus haben mit den syrischen Regierungstruppen Waffenruhe-Vereinbarungen getroffen. Wie Oppositionelle am Dienstag berichteten, versprach der Geheimdienst den Bewohnern von Babila, die Blockade des Ortes, in dem die Menschen Hunger litten, zu beenden. Im Gegenzug sollen sich die Rebellen in Babila verpflichtet haben, ihre schweren Waffen zu übergeben und die syrische Fahne auf allen noch nicht zerstörten öffentlichen Gebäuden zu hissen. Eine ähnliche Vereinbarung sei auch in dem Vorort Birsa getroffen worden, hieß es. Regimegegner veröffentlichten Videoaufnahmen, auf denen ihren Angaben zufolge Soldaten zu sehen sind, die aus Birsa abziehen.

US-Außenminister John Kerry und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow hatten am Montag für Waffenruhe-Vereinbarungen in Teilen Syriens als ersten Schritt auf dem Weg zu einer Friedenslösung geworben. In der nördlichen Metropole Aleppo, die von den beiden Ministern als möglicher Ausgangspunkt für eine umfassendere Waffenruhe vorgeschlagen worden war, wurde jedoch am Dienstag wieder gekämpft.

Regierungstruppen und Rebellen lieferten sich in dem Vorort Kafr Hamra in der Nacht heftige Kämpfe. Aufseiten der Rebellen waren an dem Gefecht nach Angaben der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter verschiedene Brigaden beteiligt, darunter auch Islamisten.

In Maskan, einem Dorf im Umland von Aleppo, soll es Rebellen gelungen sein, Terroristen der Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (ISIS) zu vertreiben. Nach Angaben von Aktivisten gelang es ISIS, die nördliche Stadt Al-Rakka wieder vollständig einzunehmen, aus der die Terroristen vergangene Woche von Rebellen vertrieben worden waren. Berichte, wonach drei Rebellen in der Ortschaft Dariya bei Damaskus durch Giftgas umgekommen sein sollen, konnten von unabhängiger Seite nicht bestätigt werden.

Vor der internationalen Geberkonferenz für Syrien, die an diesem Mittwoch in Kuwait stattfinden soll, forderte UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres die Staatengemeinschaft auf, mehr Geld bereitzustellen. Die Syrer seien auch in Zukunft dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen, sagte er dem "Tagesspiegel". "Der Bedarf wird 2014 sogar noch größer sein als 2013."

Um Kriegsopfer in Syrien vor dem Hunger zu bewahren, benötigt das Welternährungsprogramm (WFP) nach eigenen Angaben jede Woche 35 Millionen Dollar (25,6 Millionen Euro). Mehr als sieben Millionen Syrer seien auf Nahrungshilfe angewiesen, darunter 100.000 Kleinkinder, erklärte die UN-Organisation in Genf.

Mit Blick auf die Friedensgespräche, die am 22. Jänner in der Schweiz beginnen sollen, sagte der UN-Flüchtlingskommissar, er hoffe, dass dort zumindest der Weg zu einem ernsthaften Dialog der Konfliktparteien bereitet werde. "Das Schlimmste wäre, die Friedenskonferenz würde gar nicht zustande kommen." Guterres ermahnte die Europäische Union, Syrern Schutz zu gewähren. Dazu gehöre auch die Pflicht, Flüchtlingen Zugang zu Asylverfahren zu ermöglichen. (APA 14.1.2014)

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