Ronaldos tränenloses Pendant

Kopf des Tages14. Jänner 2014, 18:45
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Deutschlands Team-Torhüterin ist Weltfußballerin des Jahres

Weder mit 69 Toren in einem Jahr noch mit Tränen bei der Gala am Montag in Zürich konnte Nadine Angerer aufwarten. Die 35-jährige Deutsche pflegt Tore zu verhindern. Das kann sie ziemlich gut. Im Finale der Fußball-EM 2013 gegen Norwegen in Schweden hielt die Torfrau gleich zwei Elfmeter, um sich danach als Mutter des 1:0-Erfolgs für Deutschlands Nationalteam feiern lassen zu dürfen. Nun wurde sie, vor allem aufgrund ihrer Leistungen bei der EM - im gesamten Turnierverlauf erhielt sie nur einen Gegentreffer - als Weltfußballerin des Jahres ausgezeichnet. Und während der Männersieger Cristiano Ronaldo nach der Ehrung erfolglos gegen die Tränen kämpfte, gab sich Angerer gefasst: "Ich bin überrascht, stolz und dankbar."

Als erste Torhüterin überhaupt und als zweite Deutsche nach Birgit Prinz (2003 bis 2005) gewann Angerer die Auszeichnung des Fußball-Weltverbandes FIFA. Und im Gegensatz zur Männerwahl - viele hätten Bayern-Spieler Franck Ribéry lieber als Sieger gesehen - wurde die Wahl bei den Damen nicht angezweifelt. Die 35-Jährige setzte sich gegen Vorjahressiegerin Abby Wambach aus den USA und die fünffache brasilianische Weltfußballerin Marta durch.

Mit Deutschlands Nationalteam wurde Angerer, die im Alter von fünf Jahren mit dem Fußballspielen begann, zweimal Welt- und fünfmal Europameisterin. Eingesetzt wurde sie bei drei der sieben Titel. Seit 2007 ist sie die Nummer eins im deutschen Tor. Mit 127 Einsätzen ist sie Rekordspielerin im Team von Trainerin Silvia Neid. Einen Rückschlag erlitt die Bayerin, als Deutschland bei der unter großer Medienaufmerksamkeit stattfindenden Heim-WM 2011 bereits im Viertelfinale ausschied, zumal die Schlussfrau beim entscheidenden 0:1-Gegentreffer gegen den späteren Weltmeister Japan unglücklich aussah.

Vor drei Jahren bekannte sich Angerer in der Zeit öffentlich zu ihrer Bisexualität. "Ich bin der Meinung, dass es nette Männer und Frauen gibt. Eine generelle Festlegung finde ich total albern." Das Interview erregte wesentlich weniger Aufsehen als das jüngste Bekenntnis des ehemaligen deutschen Nationalspielers Thomas Hitzlsperger zur Homosexualität. Im Frauenfußball stehen einige Spielerinnen öffentlich zur Homosexualität. Angerer befand die Aufmerksamkeit zum Hitzlsperger-Coming-out in der FAZ für "erst einmal gut. Ich hielte es aber für ein bedenkliches Zeichen für die Gesellschaft, wenn dieser Wirbel anhielte." (Birgit Riezinger, DER STANDARD, 15.1.2014)

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    foto: reuters/wiegmann
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