Börsenjahr fängt mit Milliardenübernahmen an

14. Jänner 2014, 18:38
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Google, Jim Beam, Time Warner Cable: Es ist der stärkste Start seit 2000. Google verschafft sich um 3,2 Milliarden Dollar Zugang in privaten Wohnraum

New York / Wien - Der US-Konzern Google will sich Zugang ins traute Heim verschaffen. Mit seiner Suchmaschine und der Plattform für Smartphones ist der Internetkonzern bereits eine digitale Macht. Nun übernimmt Google einen Anbieter digitaler Thermostate und Rauchmelder und verschafft sich so immer weiter Zutritt in den Alltag von Millionen Menschen. 3,2 Milliarden Dollar (2,35 Mrd. Euro) zahlt der Internetgigant für die Firma Nest. Die Übernahme ist die Expansion von Google ins viel zitierte "Internet der Dinge". Knapp 100.000 Thermostate verkauft die Firma aktuell pro Monat. Die Produkte von Nest sind ständig mit dem Internet verbunden und passen sich an die Bedürfnisse der Nutzer an, etwa bei der Einstellung der Temperatur.

Doch Google ist mit seinem Griff in die Portokasse, um das 2010 gegründete Unternehmen mit gerade rund 300 Mitarbeitern zu kaufen, nicht allein. Gerade schwappt eine regelrechte Übernahmeflut über die Finanzmärkte. Dabei geht es längst nicht mehr nur um moderne Internettechnologie. Am Montag ist bekannt geworden, dass der japanische Getränkehersteller Suntory - breiter bekannt durch die Marke Schweppes - den US-Spirituosen-Anbieter Beam um 16 Milliarden Dollar übernehmen will. Auch die US-Kabelbranche wurde von einem Kaufangebot erschüttert. Charter Communications fordert den Rivalen Time Warner Cable mit einem feindlichen Übernahmeversuch heraus. Charter bietet 37,3 Mrd. Dollar und will zusätzlich Schulden von Time Warner Cable in Höhe von rund 25 Milliarden übernehmen.

Das Fusions- und Übernahmekarussell dreht sich aktuell sehr schnell. Daten von Dealogic, die dem Standard vorliegen, zeigen, dass seit Jahresbeginn mehr als 148 Mrd. Dollar an Fusionen und Übernahmen über die Bühne gingen, knapp 24 Mrd. Dollar mehr als 2013 und der höchste Stand seit dem Jahr 2000, als die Internetblase für Übernahmen sorgte.

Hoffnung

Analysten von Investmentbanken hoffen bereits darauf, dass der Bereich der "Mergers & Acquisitions" (M&A) endlich die Finanzkrise hinter sich lässt. Die Hoffnung wird von drei Faktoren genährt:

  • Cash Unternehmen selbst sitzen nach wie vor auf hohen Geldbergen. Google etwa hält aktuell knapp 57 Mrd. Dollar an Barmitteln, die jederzeit für Übernahmen genutzt werden können. Damit ist der Internetkonzern aber nicht allein. Nur die Unternehmen im US-Leitindex S&P 500 sitzen auf mehr als 1360 Milliarden Dollar an Cash, hat eine Studie von Factset gezeigt. Die großen börsennotierten Konzerne haben ihren Liquiditätspolster 2013 um 18 Prozent aufgestockt.
  • Zinsen Gleichzeitig zahlen Unternehmen, die an frische Mittel kommen wollen, sehr niedrige Zinsen. Der Renditeaufschlag von sogenannten "Ramschanleihen" - Schuldscheine von Unternehmen schlechter Bonität - liegt aktuell gerade einmal bei vier Prozentpunkten. Im Schnitt der vergangenen zehn Jahre lag er laut Daten der US-Notenbank Fed bei knapp sechs Prozentpunkten. Daher haben die schuldenfinanzierten Übernahmen in der jüngsten Vergangenheit massiv zugenommen.
  • Investoren Gleichzeitig haben auch professionelle Fonds, die Unternehmen übernehmen, hohe Mittelbestände. Private-Equity-Fonds horten aktuell mehr als eine Billion Dollar an Kapital, schätzt der Datendienst Preqin. Das ist der höchste Stand seit 2008, als die Krise die Finanzmärkte mit voller Wucht getroffen hat.

Traditionell warnen Experten aber regelmäßig vor Übernahmebooms. Firmenchefs geben immer wieder zu viel Geld für die Expansion aus und schaden so dem eigenen Unternehmen, zeigen Studien. Doch die grundlegenden Faktoren hinter der M&A-Aktivität, vor allem die niedrigen Zinsen, werden so schnell nicht verschwinden - versprechen die Notenbanken weltweit. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 15.1.2014)

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