Freund: Leichtfried soll Chef der SPÖ-Delegation bleiben

14. Jänner 2014, 21:39
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Designierter Spitzenkandidat über seinen künftigen Job: "Ich will mich auf meine Stärken, die Außenpolitik, konzentrieren"

Begeisterung sieht anders aus. "Die Entscheidung wird am Donnerstag im Parteivorstand fallen. Es ist sehr realistisch, dass Eugen Freund Listenführer wird. Die sonstigen Plätze auf der Liste sind noch nicht ausdiskutiert", sagt Jörg Leichtfried.

Seine Stimme ist etwas tonlos. Dienstag, 10 Uhr, Pressecafé des EU-Parlaments in Straßburg. Der Leiter der SPÖ-Delegation hat Journalisten zum Informationsgespräch geladen. Routinetermin. So wie jeden Monat, wenn das Plenum der Abgeordneten hier tagt.

Aber diesmal ist alles anders. Der EU-Abgeordnete muss eine Neuigkeit erklären, die tags zuvor in der Partei und in der Delegation eingeschlagen hat. So wie 1999 mit Spiegel-Journalist Hans-Peter Martin tritt die SPÖ bei den EU-Wahlen im Mai wieder mit einem Quereinsteiger an: Eugen Freund, früherer ZiB 1-Moderator - so wie die ÖVP bei den EU-Wahlen 1996 mit der ORF-Frau Ursula Stenzel, die FPÖ mit Hans Kronberger.

Das hat Kanzler Werner Faymann entschieden, und es wurde Montagnachmittag per Indiskretion vorzeitig bekannt. Quereinsteiger, heikles Thema in der SPÖ. Martin hatte 1999 die Delegation von Hannes Swoboda (heute Chef der SPE-Fraktion) fast gesprengt. Die Stimmung im Pressecafé ist betreten. Die Abgeordneten Evelyne Regner, Josef Weidenholzer und Karin Kadenbach schauen auf die Tischplatte, suchen Blickkontakt zu meiden. Swoboda ist nicht da.

"Sie klingen nicht grad sehr begeistert", wird Leichtfried gefragt. "Ich bin sehr begeistert, versuche nur realistisch zu sein, was die Erwartungen betrifft", hält der Steirer entgegen. Fünf Mandate zu halten werde schwer. Es könnte eng für die derzeitigen Mandatare werden, wenn die SPÖ Wien auch noch Michaela Kauer nominiert.

Leichtfried hofft, "dass er gemeinsam mit dem Team antritt, wir sind inhaltlich und personell gut aufgestellt". Regner will nichts sagen. Leichtfried: "Ich wurde vor sieben Tagen informiert." Aber keiner hat mit Freund gesprochen. Bis Weihnachten schien klar, dass Leichtfried Spitzenkandidat wird; oder die Gewerkschafterin Regner. Wird Freund die Delegation führen? "Nicht spruchreif".

Noble Zurückhaltung

Der kürzlich pensionierte ORF-Journalist hat darauf eine - überraschende - Antwort: "Mein Wunsch ist, dass Leichtfried weiter die Leitung der Delegation behält. Ich werde das im Vorstand so vertreten", sagte er im Gespräch mit dem STANDARD. Denn er wolle sich als Abgeordneter auf zwei Dinge konzentrieren: "Dass der Diskurs über Europa im Land nicht so destruktiv ist. Und ich will meine Kenntnisse und Erfahrungen einbringen, über die USA, Außenpolitik." Der außenpolitische Ausschuss biete sich an. Das fände auch Swoboda gut: "Wenn Freund sich mit Ideen von außen im Team bewährt, dann kann das ein Erfolg werden." Daran sei Martin gescheitert. Und Leichtfried? Er nennt Angebot Freunds "attraktiv", würde sich nicht entziehen. Es müsse aber erst in der Delegation, mit dem Kanzler diskutiert werden. (Thomas Mayer, DER STANDARD, 14.1.2014)

  • Eugen Freund, designierter SPÖ-Spitzenkandidat für die Europawahlen, will auf die Leitung der EU-Delegation verzichten.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Eugen Freund, designierter SPÖ-Spitzenkandidat für die Europawahlen, will auf die Leitung der EU-Delegation verzichten.

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