Steigende US-Zinsen bedrohen Schwellenländer

14. Jänner 2014, 18:28
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Verletzliche Volkswirtschaften

Wien - Wenn die US-Notenbank ihre Geldpolitik strafft, hat das meist globale Auswirkungen. Höhere Zinsen und ein stärkerer Dollar haben ab 1982 zur Lateinamerika-, ab 1997 zur Asienkrise beigetragen. Denn Schwellenländer sind in diesen Fällen viel schwerer an die wichtigen Dollars gekommen, die sie zur eigenen Finanzierung brauchten. In vielen Fällen haben Unternehmen und Staaten den Finanzmarkt in den USA genutzt, um sich zu finanzieren.

2014 soll aber die geldpolitische Straffung in den USA weitergehen. Im Dezember des Vorjahres hat US-Notenbankchef Ben Bernanke die Anleihenkäufe reduziert. Doch auch seine Nachfolgerin Janet Yellen wird die Politik des "Tapering", der Drosselung der Geldspritzen, weiterverfolgen, glauben Ökonomen. Damit dürften die langfristigen Zinsen weiter steigen. Seit Mai 2013 stiegen die zehnjährigen Renditen um knapp einen Prozentpunkt.

Taper-Schock

Der renommierte Volkswirt Barry Eichengreen von der University of California hat kürzlich eine Untersuchung über den "Taper-Schock" vom Juni 2013 verfasst. Sein Ergebnis: Jene Länder mit liquiden Finanzmärkten und hohen Leistungsbilanzdefiziten wurden besonders hart getroffen. Hohe Schulden im Ausland, um Importe zu finanzieren, machen Länder daher anfällig für die Straffung der Geldpolitik in Washington. Francisco Torralba, Ökonom bei Morningstar in Chicago hat 16 große Schwellenländer unter die Lupe genommen und auf ihre Verletzlichkeit untersucht, wenn erst einmal die Zinsen in den USA steigen. Sein Ergebnis: Die Türkei ist besonders anfällig für eine strengere US-Geldpolitik. Denn nicht nur das Leistungsbilanzdefizit ist mit 7,9 Prozent der Wirtschaftsleistung besonders groß. Darüber hinaus ist die Türkei auch besonders stark von "Portfolioinvestitionen" abhängig, die viel stärker reagieren als etwa langfristig orientierte Direktinvestitionen. Um die Situation noch schlimmer zu machen, ist die Türkei im Schnitt auch relativ kurzfristig verschuldet - ein weiterer Risikofaktor. Auch Thailand, Malaysien, Mexiko und Argentinien sind nach diesen Maßstäben verletzlich, wenn die US-Notenbank langsam aber sicher den Geldhahn zudreht.

Zum ökonomischen kommt noch das politische Risiko. In vielen der von Ökonomen als fragil eingestuften Schwellenländern stehen 2014 Wahlen an. Im Vorfeld hat es in einigen dieser Länder bereits Proteste gegeben, zuletzt etwa in Thailand. Die angespannte Lage an den Finanzmärkten und unangenehme Überraschungen bei einer Wahl könnten erneut zu einer Krise in einzelnen Schwellenländern führen. Davor warnen etwa die Schwellenländer-Fondsmanager des britischen Vermögensverwalters M&G in einem aktuellen Bericht. (sulu, DER STANDARD, 15.1.2014)

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