Titel für Tore und nicht für Titel

14. Jänner 2014, 18:33
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Die Wahl von Cristiano Ronaldo nährt den Richtungsstreit. Dass die unbestrittene individuelle Klasse höher bewertet wurde als die Anzahl der gewonnenen Titel, erbost nicht nur UEFA-Präsident Michel Platini.

Zürich - Michel Platini, der französische Präsident des Europäischen Fußballverbands (UEFA), ist empört. Das hat er mit den Verantwortlichen von Bayern München gemeinsam. Präsident Uli Hoeneß hatte schon prophylaktisch mit Begriffen wie Betrug oder Sauerei die Wahl des Weltfußballers für den Fall der nun eingetretenen Niederlage von Franck Ribéry angezweifelt. Der französische Bayern-Star wurde Dritter hinter Real Madrids Cristiano Ronaldo aus Portugal und Barcelonas Argentinier Lionel Messi, der zuletzt viermal en suite gewann. 2008 war Ronaldo schon einmal geehrt worden.

"50 Jahre lang wurde der Ballon d'Or für die Erfolge auf dem Platz vergeben", wetterte Platini, "jetzt geht es eher um das generelle Können der Spieler." Niemand bezweifelt das Können von Ronaldo, der anno 2013 für Real und fürs portugiesische Nationalteam 69-mal netzte. Doch er blieb ohne Titel, während Ribéry mit den Bayern das Triple aus Champions League, Meisterschaft und nationalem Cup gewann.

"Was hätte ich noch mehr machen können, als mit Bayern alles zu gewinnen? Ich bin kein Egoist, und dieser Titel ist nicht mein Ziel. Ich will lieber noch mal alles mit Bayern gewinnen und Weltmeister werden. Das ist wichtig", kommentierte Ribéry. "Der Preis wäre toll gewesen, vor allem für die Fans, den Klub und meine Frau. Für mich ist er nicht das Wichtigste", sagte er auch.

Platini, der maßgeblich an Frankreichs EM-Titel 1984 beteiligt war, wurde dreimal Europas Fußballer des Jahres und ebenso oft mit dem Ballon d'Or bedacht. Jahrzehntelang war der Ballon d'Or von Journalisten vergeben worden, seit dem Zusammenschluss mit der offiziellen Wahl des Weltverbandes (FIFA) stimmen auch die Nationaltrainer und Kapitäne der 209 Mitgliedsverbände ab. Österreichs Teamchef Marcel Koller und ÖFB-Kapitän Christian Fuchs votierten für Ribéry.

Platini, der gern Seitenhiebe in Richtung FIFA-Präsident Joseph Blatter austeilt: "Ribéry hat alles gewonnen und hätte deshalb auch den Goldenen Ball verdient gehabt. Das ist ein Problem. 2010 hat nach dem WM-Sieg kein Spanier gewonnen, auch das ist ein Problem." Bei der Wahl der Uefa im vergangenen Sommer war Ribéry zu Europas Fußballer des Jahres gekürt worden. Noch nie wurde ein Spieler der deutschen Bundesliga Weltfußballer. Die FAZ sah es so: "Ronaldo ist der passende Weltfußballer. Bei der Wahl ging es um individuelle Exzellenz und die globale Wirkung von Spielern als zweibeinige Weltmarken. Dass es Ribéry nicht schaffte, ist im Grunde noch eine Auszeichnung mehr für den FC Bayern." Die französische Sportzeitung L'Equipe befand: "Der moderne Fußball treibt einen Personenkult mit dominanten Spielern, der an die US-amerikanischen Basketballstars erinnert."

Abgesehen davon räumte der deutsche Kick ab bei den Ehrungen in Zürich. Jupp Heynckes, der die Bayern im Vorjahr zu ihren Triumphen geführt hatte, wurde zum Welttrainer, Teamtorfrau Nadine Angerer zur Weltspielerin und Teamchefin Silvia Neid zur Welttrainerin gekürt. (sid, bez, DER STANDARD, 15.1.2014)

  • Bayerns Franzose Franck Ribéry ist nicht sonderlich betrübt über Platz drei.
    foto: ap/bieri

    Bayerns Franzose Franck Ribéry ist nicht sonderlich betrübt über Platz drei.

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