Schnuller und Tschick: Linzer Kindercafé sperrt zu

14. Jänner 2014, 15:56
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Service für rauchende Mütter spießt sich mit gesetzlichem Nichtraucherschutz: Ende Jänner ist Schluss

Linz -Die Diskussion um den blauen Dunst in der Gastronomie ist um Kuriosum reicher. In Linz sperrt das, per Eigendefinition, erste "Kinder- und Familiencafé" der Landeshauptstadt mit Ende Jänner zu. Der pikante Grund: Man sieht sich, bedingt durch den gesetzlichen Nichtraucherschutz, "leider außer Stande, das Familiencafé-Konzept weiter wirtschaftlich zu betreiben".

Wer nämlich glaubt, dass in einem Café speziell für Kinder maximal Schokotschick erlaubt sind, der war noch nie bei "Nöbi's". Die Gesamtfläche von rund 200 lokalen Quadratmetern ist dort nämlich zur Hälfte Raucherbereich. Gesetzeskonform abgetrennt vom Nichtraucherbereich samt Kinderparadies mit Bällchenbad, Spieleburg und Rutsche.

Familie und Aschenbecher

Doch nachdem der Verwaltungsgerichtshof im Sommer des Vorjahres eine Unzumutbarkeit darin erkannt hat, wenn Nichtraucher durch einen Raucherraum zu Speis und Trank oder der Toilette gehen müssen, wackelt auch die Vereinbarkeit von Familie und Aschenbecher im "Nöbi's". Wie viele andere Gastronomen fürchtet man Strafen – und sperrt jetzt lieber zu. "Ein erneuter Umbau kommt für uns einfach nicht in Frage", begründet Café-Betreiber Dieter Nöbauer im Gespräch mit dem STANDARD das Gastro-Aus. Auch ein Tausch der Räumlichkeiten sei nicht möglich: "Dann wären die Kinder im Bar-Bereich, was zu gefährlich ist. Was glauben sie, wenn da ein Kellner mit einem heißen Kaffee stolpert."

Über die Frage, ob nicht der Fehler im Familienkonzept ganz grundsätzlich ein Raucherbereich sein könnte, kann Nöbauer nur milde lächeln: "Wissen sie, wie viele Mütter rauchen?" Ohne einen Raucherbereich sei ein Café nicht "gewinnbringend" zu führen. Nöbauer: "Ich habe es an einem anderen Standort bereits versucht. Mit einem rauchfreien Lokal kannst du nicht einmal die Kosten für das Personal ordentlich decken."

Kinder raus, Tee rein

Wohl der Hauptgrund, warum das "Nöbis" ab Februar nicht gänzlich rauch-, dafür aber wohl weitgehend kinderfrei sein wird: "Wir sperren mit einem neuen Konzept  wieder auf – wir spezialisieren uns jetzt auf Tee." (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 15.1.2014)

  • Für Dieter Nöbauer ist ein rauchfreies Kinder-Café nicht vorstellbar. Daher bleiben die Aschenbecher - die Hüpfburg fliegt.
    foto: wjd

    Für Dieter Nöbauer ist ein rauchfreies Kinder-Café nicht vorstellbar. Daher bleiben die Aschenbecher - die Hüpfburg fliegt.

  • "Wissen Sie, wie viele Mütter rauchen?", sagt Nöbauer: Die Gesamtfläche des Cafés von 200 Quadratmetern ist zur Hälfte Raucherbereich.
    foto: wjd

    "Wissen Sie, wie viele Mütter rauchen?", sagt Nöbauer: Die Gesamtfläche des Cafés von 200 Quadratmetern ist zur Hälfte Raucherbereich.

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