Die Autowelt giert nach Luxuskarossen

14. Jänner 2014, 12:30
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Während der Autoabsatz in Europa vor sich hin dümpelt, legt er in China und den USA zu. Vor allem fett und protzig ist gefragt

Luxus hatte 2013 einen Namen. Besser gesagt  zwei, als Bentley und Rolls Royce mit neuen Rekordwerten aufhorchen ließen. Beide Marken verkauften 2013 so viele Autos wie noch nie in ihrer Geschichte. Im Wettlauf der Premiumhersteller punktete die Volkswagen-Tochter Bentley mit 10.120 weltweit abgesetzten Wagen deutlich vor der BMW-Tochter (3.630 Wagen). Experten rechnen, dass dieser Trend auch heuer anhalten beziehungsweise 2014 insgesamt ein Boomjahr wird.

Allerdings müssen die deutschen Autobauer ihren Erfolg weiterhin außerhalb des Heimatmarktes suchen. Denn während der europäische Markt nach der Krise nur mühsam auf die Beine kommt, stieg die Nachfrage 2013 aus den USA, China und Nahost. Dabei wird der Trend, zu einem hochwertigen Auto aufzurüsten, immer stärker. Zusätzlich kommen konjunkturelle Erholung und sinkende Spritpreise in den USA für die Oberklasse-Anbieter gerade im rechten Augenblick, öffnet doch die Automesse in Detroit ab morgen für das breite Publikum seine Pforten. Lediglich Volkswagen hat Probleme jenseits des Atlantiks. Den Wolfsburgern fehlt es an neuen Modellen und Produktüberarbeitungen, nach denen vor allem der Amerikaner verlangt.

Zurückhaltung in Europa

Das Rennen um den Spitzenplatz der deutschen Premiumhersteller entschied im Vorjahr erneut BMW für sich. Die Münchener verkauften 1,96 Millionen Autos der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce. Die VW-Tochter Audi wurde 1,58 Millionen Fahrzeuge los. Daimler landete knapp dahinter mit 1,56 Millionen Mercedes und Smart. Somit konnte nicht einmal die Zurückhaltung im heimatlichen Europa die "Großen Drei" ausbremsen.

Der Chef des deutschen Herstellerverbandes VDA, Matthias Wissmann  rechnet für 2014 mit einem Anstieg der Neuzulassungen in den USA um drei Prozent auf knapp 16 Millionen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge (SUV und Pick-ups). Etwas optimistischer sieht das renommierte Center Automotive Research (CAR) des Automarkt-Experten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen den Sektor aufgestellt: So soll der US-Automarkt in  diesem Jahr um 3,5 Prozent auf 16,13 Millionen Fahrzeugverkäufe ansteigen und der globale Pkw-Markt um fünf Prozent auf 74,2 Millionen Fahrzeugverkäufe anwachsen. Angekurbelt werde die Nachfrage vor allem durch China: Hier rechnet Dudenhöffer mit einem Zuwachs von elf Prozent oder 1,74 Millionen Neuwagen. Bereits im Vorjahr konnte der gesamte chinesische Markt um rund 16 Prozent zulegen. Allein das Geschäft mit Oberklassewagen soll nach Angaben des Generalsekretärs der chinesischen Personenwagenvereinigung, Cui Dongshu, heuer gar um 15 bis zwanzig Prozent zulegen. Nicht zuletzt deswegen bleibt China vor den USA der größte Automarkt der Welt.

Mehrere Autos, ein Hobby

Auch die Nachfrage nach Geländewagen soll weiter klettern. Bentley beispielsweise will mit seinem geplanten SUV vor allem neue Käufer anlocken." Das Modell solle im Wesentlichen Kunden gewinnen, die wir heute noch nicht ansprechen", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Vorstandschef Wolfgang Schreiber auf der Automesse in Detroit. So könne man auf der ganzen Welt Wohlhabende erreichen, die mehrere Autos besäßen und für ein Hobby wie Reiten oder Bootssport ein größeres, stärkeres Fahrzeug bräuchten - beispielsweise für Anhänger. Zudem möchte Schreiber mehr Frauen als Kunden gewinnen. Bentley rechne für den SUV mit einem Absatz von mindestens 3.000 Fahrzeugen pro Jahr, der Marktstart sei für 2016 geplant. Daneben tüfteln auch der italienische Sportwagenbauer Lamborghini und Rolls Royce an einem Geländewagen der Luxusklasse. Eine Entscheidung ist jedoch noch nicht gefallen.

Vernetzte Welt

Neben der Vorstellung neuer Modelle und Designs wird sich auch der Einsatz elektrischer beziehungsweise elektronischer Bauteile anstelle mechanischer im Automobilbau rasant beschleunigen, zeigen sich Experten im Vorfeld der Automesse zuversichtlich. Die Chipindustrie wird nach einer Studie der Beratungsgesellschaft PwC  von der rasanten Zunahme elektronischer Bauteile in Autos profitieren. Der weltweite Umsatz der Halbleiterbranche im Automobilbereich werde demnach von 25,5 Milliarden US-Dollar (18,88 Milliarden Euro) 2012 auf rund 40 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 zulegen, so die Prognose. Das Auto entwickle sich zunehmend zum Rechenzentrum auf Rädern. Der mobile Internetzugang, stetige Kommunikationsmöglichkeiten, digitale Bedienungselemente und elektronische Assistenzsysteme unterschiedlichster Art würden schon bald nicht nur im Premiumsegment, sondern in allen Fahrzeugsegmenten selbstverständlich sein.

Ein zusätzlicher Schub erfolgt durch die steigende Zahl von Autos mit Elektro- und Hybridantrieben. Die zusätzlichen Kosten dürften für den Durchschnittsverbraucher eher Peanuts sein. Nachdem Bentley eine Designstudie seines geplanten SUVs vorstellte, waren in kürzester Zeit 2.000 Vorbestellungen eingelant. Und das, obwohl derzeit niemand den Preis für die Luxuskarosse kennt. (red, Reuters, derStandard.at, 14.1.2013)

  • Untergangspropheten haben nichts zu vermelden: Luxus bleibt nachgefragt
    foto: ap/tony ding

    Untergangspropheten haben nichts zu vermelden: Luxus bleibt nachgefragt

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