Bestände schrumpfen: Westafrika verliert seine Löwen

14. Jänner 2014, 12:46
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Auf dem afrikanischen Kontinent leben rund 35.000 Löwen, nur ein Prozent davon ist im westlichen Afrika zu finden

Einst zählte der Löwe (Panthera leo) zu den am weitesten verbreiteten Raubkatzen der Erde. Bis zum Ende der letzten Eiszeiten lebten verschiedene Unterarten von Amerika über Europa bis weit nach Asien hinein. In Europa dürften die letzten wild lebenden Löwen während des ersten Jahrhunderts verschwunden sein, in Asien ist allein im indischen Gir-Nationalpark eine verschwindend kleine Restpopulation übrig geblieben.

Aber auch um die afrikanischen Löwen steht es nicht zum Besten: In den vergangene 20 Jahren schrumpfte der Bestand um 30 bis 50 Prozent, schätzt die International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN). Während in einigen großen Schutzgebieten Ost- und Südafrikas zumindest für absehbare Zeit stabile Löwenbestände existieren, lebt im Westen des Kontinents lediglich ein Prozent der 35.000 afrikanischen Löwen Afrikas.

Die Organisation Panthera erfasste in einem auf sechs Jahre angelegten Programm die Löwenpopulation in dieser Region. Philipp Henschel von Panthera klagt über dramatische Zahlen: In fünf Staaten der Westafrikas leben demnach nur noch 250 Löwen im fortpflanzungsfähigen Alter, hinzu kämen 150 jüngere Tiere. 90 Prozent im Reservat W-Arly-Pendjari im Grenzgebiet zwischen Benin, Burkina Faso und dem Niger, die anderen im Senegal und in Nigeria.

Genetische Informationen gehen verloren

"Wenn wir die Löwen Westafrikas verlieren, dann verlieren wir Gensequenzen", warnte Henschel. "Die Löwen aus dem Osten und dem Süden sind sich genetisch sehr ähnlich. Aber die aus Zentral- oder Westafrika sind ganz anders."

Die Löwen in Westafrika leiden vor allem unter der Konkurrenz mit den Menschen um Land. Jagdgebiete der Löwen werden zu landwirtschaftlichen Nutzflächen umgewandelt, zudem jagen Menschen Wild, das zu den Hauptnahrungsmitteln der Löwen gehört. Die Raubkatzen würden überdies von Bauern getötet, die ihr Vieh schützen wollen.

Wirtschaftlich "nutzlos"

"Die Hauptbedrohung (für die Löwen) in dieser Region ist, dass sie keinerlei wirtschaftlichen Nutzen haben", sagte Henschel. Die Politiker in den bitterarmen Ländern Westafrikas betrachteten ihre wilden Tiere nicht als potenziell gewinnbringend - anders als in Süd- und Ostafrika, wo der Safari-Tourismus eine wichtige Einnahmequelle ist. Daher sei es notwendig, dass der Westen Geld sammle, um die Löwen Westafrikas vor dem Aussterben zu bewahren. (APA/red, derStandard.at, 14.1.2014)

  • 90 Prozent der rund 400 westafrikanischen Löwen leben im Reservat W-Arly-Pendjari im Grenzgebiet zwischen Benin, Burkina Faso und dem Niger.
    foto: george schaller/panthera

    90 Prozent der rund 400 westafrikanischen Löwen leben im Reservat W-Arly-Pendjari im Grenzgebiet zwischen Benin, Burkina Faso und dem Niger.

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