Übernahmepoker: Time Warner Cable lehnt Milliarden-Offert von Charter ab

14. Jänner 2014, 14:48
posten

Time Warner Cable verlangt deutlich mehr Geld

Der US-Kabelanbieter Time Warner Cable (TWC) hat erneut einen milliardenschweren Übernahme-Versuch des US-Medienkonzerns Charter Communications zurückgewiesen. Charter-Chef Tom Rutledge war am Montag an die Öffentlichkeit gegangen und hatte TWC inklusive Schulden mit mehr als 61 Mrd. US-Dollar (rund 45 Mrd. Euro) bewertet.

Das Gebot je Anteilschein von Time Warner Cable habe neben einer Barkomponente von 83 Dollar auch Aktien von Charter im Wert von etwa 49,50 Dollar umfasst, sagte der Manager. Der Aufsichtsrat von Time Warner Cable schlug das erneute Gebot des Konkurrenten einstimmig aus.

Mangelhafter Vorschlang

Das sei bereits der dritte mangelhafte Vorschlag, hieß es in einer Stellungnahme. Time Warner Cable sei mehr wert. Das Gebot entspreche nur einem Faktor von sieben gemessen am Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Diese Bewertung liege deutlich unter den jüngsten Transaktionen im Kabelsektor. Spekulationen über eine mögliche Übernahme von Time Warner Cable gibt es schon seit längerem. Neben Charter wurde auch Comcast als Interessent gehandelt.

Am Montag hatte Charter-Chef Rutledge ein Schreiben an den Chef von Time Warner Cable, Rob Marcus, geschickt, in dem er die Vorteile des Gebotes für dessen Aktionäre erläuterte. Das letzte Angebot habe er um Weihnachten herum gemacht, sagte Rutledge. Dies habe Marcus abgelehnt. Laut dem Schreiben hatte Time Warner Cable ein höheres Gebot mit einer größeren Barkomponente verlangt, was auf Widerstand von Charter traf. TWC hatte sich bei einem Gebot von insgesamt 160 Dollar je Aktie als grundsätzlich offen für eine Offerte gezeigt.

Vorwurf Schleuderpreis

Time-Warner-Cable-Chef Rob Marcus sprach indes von Plänen, seine Firma zu "klauen". Er sagte in der Nacht zum Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters: "Im Grunde genommen wollen diese Typen bloß eine Premium-Firma zu einem Schleuderpreis ergattern." Analysten stellen sich nun auf einen verbissenen Übernahmepoker ein. "Das ist nur die erste Runde der Verhandlungen", sagte Branchenexpertin Amy Yong von der Investmentbank Macquarie.

Der Zeitpunkt des Vorstoßes kommt nicht von ungefähr. Die Spitze von Time Warner Cable steht wegen eines anhaltenden Kundenexodus unter Druck. Die Marktforscher von Leichtman Research schätzen, dass der Konzern in den vergangenen zwei Jahren jeden Zehnten seiner 13 Millionen Fernsehkunden verloren hat und sich damit wesentlich schlechter schlug als die Konkurrenten. Der selbstbewusste Charter-Chef Tom Rutledge legte den Finger in die Wunde und sagte im Reuters-Interview, dass er Time Warner Cable besser führen könnte.

Die US-Kabelbetreiber stehen gleich doppelt unter Zugzwang. Zum einen graben ihnen neue Internetfernsehdienste wie Netflix das Wasser ab. Gleichzeitig verlangen Hollywood-Studios wie Disney und die News-Corp -Tochter 20th Century Fox immer höhere Preise für die von ihnen produzierten Filme und Serien.

Time Warner

Charter erklärte, den Konkurrenten im vergangenen halben Jahr mehrfach umworben zu haben. Dessen Reaktion habe jedoch signalisiert, dass er nicht an einer Fusion interessiert sei und zudem unrealistische Preisvorstellungen habe. Time Warner Cable pocht nach eigenen Angaben auf ein Angebot in Höhe von 160 Dollar je Aktie zu - davon 100 Dollar in bar. Charter plant nun, sich mit dem Offert direkt an die Aktionäre des Rivalen zu wenden. "Das macht uns die Aufgabe leicht, das Angebot abzuwehren", konterte Time-Warner-Cable-Chef Marcus. Der Kabelkonzern gehörte bis vor fünf Jahren zum New Yorker Medienriesen Time Warner.

Analysten zufolge ist das Charter-Angebot das bisher deutlichste Zeichen dafür, dass Kabel-Milliardär John Malone von Liberty Media bei Time Warner Cable ungenutzte Geschäftsmöglichkeiten sieht. Liberty Media besitzt 27 Prozent an Charter. Malone ist auch in Deutschland kein Unbekannter: Über das Schwesterunternehmen Liberty Global gehört ihm der der zweitgrößte deutsche Anbieter Unitymedia. (APA, 14.1.2013)

Share if you care.