Lidl verbannt in Großbritannien Süßigkeiten aus dem Kassenbereich

14. Jänner 2014, 16:28
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Diskonter ersetzt in Großbritannien und Nordirland Schokoriegel und zuckerhaltige Süßwaren mit Früchten und Säften - Auch in Österreich ist ein Modellprojekt geplant

Die deutsche Supermarktkette Lidl entfernt in allen knapp 600 Filialen im Vereinigten Königreich zuckerhaltige Süßwaren und Schokoladeriegel aus dem Kassenbereich. Das Unternehmen folgt damit dem Anliegen der Kunden, die sich in einer Umfrage mehrheitlich gegen Süßigkeiten an der Kassa ausgesprochen haben.

68 Prozent der befragten Eltern gaben an, von ihren Kindern regelmäßig mit dem Wunsch nach Süßem bedrängt zu werden; 66 Prozent würden ihrem Nachwuchs auch nachgeben. Laut Eigenaussage belohnen Eltern ihre Kinder damit oft für folgsames Verhalten im Supermarkt.

Verlockung in der "Impulszone"

Die Konvention des zuckerhaltigen Angebots im Kassenbereich hat in der Vergangenheit immer wieder für Kritik an Lebensmittelketten gesorgt. Beim Warten auf die Abrechnung seien Menschen in besonderem Maße verführt, weitere Produkte auf das Förderband zu legen. Dass es sich in den meisten Fällen um Süßigkeiten handelt, die in dieser sogenannten "Impulszone" feilgeboten werden, sei auf die Zielgruppe der Kinder zurückzuführen. Lidl UK bestückt die Regale nunmehr mit frischem und getrockneten Obst, Haferkeksen und Säften.

Alexander Deopito, der Vorsitzende der Geschäftsleitung von Lidl Österreich, bestätigte gegenüber derStandard.at, dass 2014 in einem Modellversuch auch in einigen der Filialen hierzulande die Süßigkeiten aus dem Kassenbereich verbannt werden sollen. Je nachdem, wie die Kunden die Umstellung annehmen, sei es denkbar, das Konzept auf alle 200 österreichischen Filialen auszuweiten, so Deopito.

Jeder vierte Brite ist adipös

Laut eigener Aussage ist Lidl der erste Supermarkt in Großbritannien und Nordirland, der gänzlich auf Süßigkeiten im Kassenbereich verzichtet. Die Verbannung folgt unmittelbar auf eine Prognose des National Obesity Forum, wonach 2050 jeder zweite Brite adipös sein wird.

Laut den letzten vergleichbaren Zahlen aus dem Jahr 2008 war das Vereinigte Königreich nach der Tschechischen Republik, Malta und Slowenien die europäische Nation mit dem vierthöchsten Anteil an adipösen Bürgern: 24,9 Prozent der Menschen in England, Schottland, Wales und Nordirland leiden an Fettleibigkeit. In Österreich liegt dieser Wert laut der UN-Lebensmittelorganisation FAO bei 18,3 Prozent.

Das Vereinigte Königreich ist nach der Anzahl an Geschäftsstellen hinter Deutschland (rund 3300 Filialen) und Frankreich (rund 1500 Filialen) der drittgrößte Markt für Lidl. In Österreich beschäftigt der Diskonter etwa 4.000 Mitarbeiter. Weltweit erwirtschaftete das Unternehmen 2011/12 einen Umsatz von 38,3 Milliarden Euro. (mcmt, derStandard.at, 14.1.2014)

  • "Impulszone" Kassenbereich: Lidl eliminiert die Zuckerl und Schokoriegel.
    foto: reuters/arnd wiegmann

    "Impulszone" Kassenbereich: Lidl eliminiert die Zuckerl und Schokoriegel.

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