Der Erfolg kommt nicht von ungefähr

Blog14. Jänner 2014, 01:43
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Sechs der zwölf EBEL-Teams haben sich vorzeitig für die Playoffs qualifiziert. Unser Eishockey-Blog analysiert die Erfolgsfaktoren

Nach 264 Saisonspielen, 44 pro Team, wurde am vergangenen Sonntag ein erster Strich durch die Tabelle der Erste Bank Eishockey Liga gezogen. Während die Klubs auf den Rängen sieben bis zwölf ab Freitag die letzten beiden Tickets für das Viertelfinale ausspielen, hat sich das Spitzensextett bereits vorzeitig für die Playoffs qualifiziert. Im Folgenden eine Kurzanalyse der Gründe für erfolgreiche erste Saisonphasen in Wien, Linz, Salzburg, Bozen, Znojmo und Villach.

Wien konstantestes Team der Liga

Wie schon im Vorjahr geht Platz eins nach 44 Runden auch in dieser Spielzeit an die Vienna Capitals. Wesentlichster Erfolgsfaktor ist die relative Leistungskonstanz des Teams, als einzige Mannschaft musste man bisher noch nie mehr als zwei Niederlagen in Serie einstecken. Zweiter Hauptgrund für die höchste Siegesquote (68,2 Prozent) seit der Meistersaison 2004/05 ist Wiens starke Defensive. In mehr als der Hälfte der Partien kassierten die Capitals zwei oder weniger Gegentore, das Trio Matt Zaba, Jürgen Penker, David Kickert lieferte mit einem GAA von 2,27 das beste Goaltending der Liga. Als die Stabilität der im Sommer personell veränderten Abwehrreihen ins Wanken geriet, wurden die entsprechenden Transfers rückabgewickelt.

Aktuell erinnert das Team von Tommy Samuelsson hinsichtlich Spielanlage, Besetzung und Auftreten stark an die Capitals des Vorjahres, als man die Liga bis zum Beginn der Finalserie dominierte, dort jedoch im KAC seinen Meister fand. Zentraler Unterschied ist die fehlende Kompaktheit der vierten Linie, die offensiv meist überzeugt, defensiv aber stark anfällig für Gegentore ist.

Ein Auf und Ab für Salzburg

Es brauchte seine Zeit, ehe dem im Sommer umgebauten und unter neue Führung gestellten Team die Umsetzung der Ideen von Trainer Don Jackson gelang: Nach nur zwei Siegen aus den ersten sieben Spielen kam der stotternde Motor jedoch immer besser ins Laufen, von den folgenden 19 Partien wurden 18 gewonnen. Seither hält sich Salzburg in der Spitzengruppe, obwohl man ab Anfang Dezember an Konstanz einbüßte.

Das Spiel der Bullen wurde gegenüber der spielerischen Zügellosigkeit der Endphase der Pagé-Ära deutlich strukturierter. Auffallend ist auch, dass von Center Garrett Roe abgesehen keiner der Legionäre in der Offensive zu den absoluten Topimports der Liga zählt. Anders als in vergangenen Jahren hat Salzburg aber auch bei keinem einzigen Transferkartenspieler danebengegriffen. Unterm Strich ein gut ausbalanciertes Kollektiv, das in den sehr aussagekräftigen Even Strength-Situationen weniger Gegentreffer kassiert als jedes andere Team. Verbesserungswürdig ist hingegen noch die Disziplin am Eis: Nur Graz absolvierte einen noch größeren Anteil der gespielten Zeit bei numerischer Unterlegenheit.

Offensiv top, defensiv mit Luft nach oben

Die nach dem letztjährigen Halbfinalaus an mehreren Schlüsselpositionen im Angriff neu besetzte Linzer Mannschaft brauchte einige Wochen, um sich zu finden, in der zweiten Hälfte des Grunddurchgangs punktete der Meister von 2012 dann jedoch in 18 seiner 22 Spiele. Goalie Mike Ouzas hat seit 24. November kein Spiel mehr verloren, feierte zuletzt zwölf Siege in Folge, vor ihm legt Klublegende Robert Lukas als aktuell bester Plus/Minus-Spieler der gesamten Liga seine überzeugendste Saison seit Jahren hin. Dennoch liegt die Stärke der Black Wings eher in der Offensive, die in Situationen bei gleicher Spieleranzahl am Eis die effektivste der EBEL ist (alle 17:56 Minuten ein Tor) und - höchster Wert für den Klub seit 2002/03 - im Schnitt 3,64 Treffer pro Spiel erzielt.

Im Vorjahr dominierte Linz die Zwischenrunde, holte 17 von 20 möglichen Zählern. Ob Ähnliches auch heuer gelingt, darf unter Berücksichtigung der Ausfälle von Brian Lebler und Pat Leahy bezweifelt werden. In den Playoffs ist jedoch wieder mit einer kompakten, von Rob Daum taktisch gut eingestellten Mannschaft zu rechnen. Zentrale Frage wird jene sein, ob die Abwehrreihen halten: Im bisherigen Saisonverlauf kassierten die Oberösterreicher gegen Teams aus der oberen Tabellenhälfte durchschnittlich um 49,4 Prozent mehr Gegentreffer als gegen die Klubs auf den Rängen sieben bis zwölf. Dies gilt speziell für Auswärtsspiele, wo Linz im 14. Jahr der Ligazugehörigkeit seinen drittschlechtesten Gegentorschnitt aufweist.

Bozen der Aufsteiger der Saison

Eine der positiven Überraschungen der laufenden Spielzeit ist der HC Bozen, der mit schnörkellosem Eishockey letztlich souverän die Qualifikation für die "Pick Round" schaffte. Lange wartete die Konkurrenz auf den leistungsmäßigen Einbruch des EBEL-Neueinsteigers, doch dieser kam nicht: Die Südtiroler punkteten in 32 ihrer 44 Spiele - Liga-Bestwert.

Insgesamt fehlt es im guten Kollektiv allerdings an wirklich herausragenden Akteuren mit dem Potenzial, einzelnen Spielen ihren Stempel aufzudrücken. Gegen die Teams aus der oberen Tabellenhälfte konnte Bozen nur die direkten Duelle mit Villach für sich entscheiden. Auch in den Special Teams - sowohl in Über- als auch in Unterzahl Rang sieben in Sachen Effektivität - ist man eher dem Liga-Mittelstand zuzurechnen. Zuletzt schwächelte auch die anfangs starke Offensive, bei seinen neun Auftritten seit Weihnachten erzielte der HCB aus dem Spiel heraus nur 1,7 Treffer pro Partie. So deutet aktuell wenig darauf hin, dass Italiens Rekordmeister die erste Playoff-Runde überstehen könnte, doch alleine die bereits geschaffte Qualifikation für das Viertelfinale macht die Premierensaison schon jetzt zum Erfolg.

Znojmos kontinuierliche Steigerung

Auch im dritten Jahr der Ligazugehörigkeit verbesserte sich Orli Znojmo substanziell, erstmals wurde der Sprung in die obere Gruppe der Zwischenrunde geschafft. Das eisläuferisch wohl stärkste EBEL-Team neben Salzburg verlor im bisherigen Saisonverlauf nur ein Mal mehr als zwei Spiele en suite und führt aktuell sogar die Auswärtstabelle an. Erfolgsrezept der Südmähren ist die gelungene Balance zwischen dem Spiel Struktur verleihenden Routiniers wie Peter Pucher (39), Richard Pavlikovský (38) oder Milan Procházka (36) und dynamischen, noch recht jungen Akteuren wie Jan Lattner (24), Adam Havlík (23) oder Petr Beránek (20).

Die intensive Spielweise macht das Team von Jiří Režnar auch für die Topklubs der Liga zu einem unangenehmen Gegner: In einem nur die direkten Duelle der Klubs der oberen Tabellenhälfte berücksichtigenden Ranking nimmt Znojmo klar den ersten Platz ein. Ob das größtenteils noch recht unerfahrene Team bereits reif für das Überstehen der ersten Playoff-Runde ist, wird sich weisen, die Tschechen haben aber gute Aussichten auf eine starke Ausgangsposition: Seit der erstmaligen Einführung der Zwischenrunde (2007/08) war in dieser kein Klub erfolgreicher als die Adler, die im Schnitt 1,5 Punkte pro Partie sammelten.

Wie weit trägt das Trio?

Auch im zweiten Jahr unter Hannu Järvenpää startete Villach stark in die Saison, gewann acht der ersten elf Spiele und legte nach der Länderspielpause im November eine Serie von neun Erfolgen am Stück hin. Danach ging den Adlern die Luft aus, von den letzten 14 Partien wurden gleich neun verloren. Über weite Strecken der ersten Phase des Grunddurchgangs präsentierte sich der VSV als die offensivstärkste Mannschaft der Liga, was zu wesentlichen Teilen einen Verdienst des herausragenden Duos Derek Ryan und John Hughes (gemeinsam 141 Scorerpunkte in 44 Spielen) darstellte.

Problembereich Villachs ist das Secondary Scoring, die bescheidene Produktivität der zweiten Offensivformation, in der lediglich Curtis Fraser, Fachkraft für Abstauber im Powerplay, zu überzeugen vermochte, während Brock McBride, von der Spielanlage her ein klassischer Drittliniencenter, deplatziert wirkte und Michael Forney nie richtig zur Entfaltung kam. In den nun wartenden Duellen mit den Topteams der Liga kann sich auch die eher beschränkte Mobilität der Defensivimports nachteilig auswirken. Wie lange der VSV im Geschäft bleibt, wird im Wesentlichen davon abhängen, ob Ryan, Hughes und Goalie Jean-Philippe Lamoureux weiterhin auf konstant hohem Niveau performen. (Hannes Biedermann, derStandard.at, 14.1.2014)

  • Artwork: alexgrimm.com
Backcheck: Auffälligkeiten, Anekdoten und Analysen aus der EBEL. Jeden Dienstag.

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