Experimentelles kontra Schulbuchwissen im Museum

13. Jänner 2014, 18:57
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Vorarlberger Landesmuseum kommt beim breiten Publikum an, Lehrer hätten gern mehr Chronologie

Bregenz - Die Vorarlberger mögen ihr neues Landesmuseum. 45.220 Menschen besuchten das Vorarlberg Museum im ersten Halbjahr. "Die kühnsten Erwartungen wurden übertroffen", freut sich Kulturlandesrat Harald Sonderegger (VP). Noch mehr freut sich Direktor Andreas Rudigier über die Zustimmung zum neuen Konzept: Vier von fünf Besuchern loben die sechs Ausstellungen.

Kritik kommt aber immer wieder von Lehrerinnen und Lehrern, die in der landesgeschichtlichen Ausstellung vorarlberg. ein making-of Systematik und Chronologie vermissen. "Ich will das gar nicht kleinreden", sagt Rudigier, "diese Kritik gibt es, und wir setzen uns damit auseinander."

In der Ausstellung wird die Entstehung des Landes, des Museums und seiner Sammlung zur Diskussion gestellt. Rudigier: "Gerade Lehrer hätten gern den klaren Zahlenstrahl, die Chronologie." Man treffe einen Nerv, indem man Schulbuch- und Museumswissen infrage stelle.

Ein Verwirrter und viele Begeisterte

Rudigier: "Nur ein einziger Besucher hat als Feedback geschrieben, dass ihn die Ausstellung verwirrt habe. Alle anderen sind begeistert über den offenen Zugang." Mehr Offenheit wünsche er sich auch von den Lehrern. Geschichte experimentell zu betrachten, ist für Rudigier der "richtige Weg". Denn Geschichtswissenschaft sei im Wandel: "Alles bricht auf, nichts ist mehr, wie es war."

Auf neue Erkenntnisse wird auch die archäologische Ausstellung dieses Jahres eingehen. Gemeinsam mit Museen aus dem deutschen und Schweizer Bodenseeraum widmet man sich mit "Römer, Alamannen und Christen" dem Frühmittelalter am Bodensee. Man wird erfahren, dass man über die Alamannen längst nicht so viel weiß, wie germanisch orientierte Geschichtsforscher den Vorarlbergern über Jahrzehnte vormachten.

Die Sommerausstellung ist dem Bregenzerwälder Dichter, Querdenker und Sozialreformer Franz Michael Felder (1839-1869) gewidmet. Der schreibende Bauer rebellierte gegen festgefahrene Strukturen, gründete die erste Leihbibliothek und die Vorarlberg'sche Partei der Gleichberechtigung. Dass einer seiner Nachkommen, Neos-Gründer Matthias Strolz, die Eröffnungsrede halten werde, sei ein Gerücht, witzelt Rudigier. (jub, DER STANDARD, 14.1.2014)

  • Einen Teil der umfangreichen Sammlung aus 150 Jahren zeigt das Vorarlberg Museum im Schaudepot "Buchstäblich Vorarlberg".
    foto: apa

    Einen Teil der umfangreichen Sammlung aus 150 Jahren zeigt das Vorarlberg Museum im Schaudepot "Buchstäblich Vorarlberg".

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