Debatte um Vermögenssteuern: Es geht nicht um die Oma

Kommentar13. Jänner 2014, 18:22
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Bereits im vergangenen Jahr hat eine Studie belegt, dass die Vermögen in Österreich in den Händen einiger weniger konzentriert sind

Die Abwehrfront in der ÖVP gegen höhere Vermögenssteuern ist längst nicht mehr so geschlossen wie früher - doch für Parteichef Michael Spindelegger bleibt das Thema tabu. Er wolle den Österreichern nicht noch eine weitere Steuererhöhung zumuten, begründete er seine Position schon im Wahlkampf. Doch bei näherer Betrachtung zeigen sich die Schwächen in der Argumentation des ÖVP-Chefs. Die Einführung progressiver Vermögenssteuern in Österreich könnte so ausgestaltet werden, dass diese nur eine verschwindend kleine Minderheit treffen.

Bereits im vergangenen Jahr hat eine Studie der Oesterreichischen Nationalbank belegt, dass die Vermögen in Österreich in den Händen einiger Weniger konzentriert sind. Die Top-fünf-Prozent der Haushalte halten 45 Prozent des Bruttovermögens. Eine neue Studie der WU Wien zeigt nun, dass Einkünfte aus Aktien, Unternehmensbeteiligungen und Immobilien für 95 Prozent der Menschen so gut wie gar keine Rolle spielen. Die Mehrheit hat schlichtweg keinerlei Eigentum, das nennenswerte Erträge abwirft. Nur die wirklich wohlhabenden Haushalte - zwei, drei Prozent aller - erzielen hohe Einkommen aus ihren Vermögen.

Wer Reiche stärker zur Kasse bitten will, ist also weder hinterm Sparbuch der Oma her, noch will er Häuselbauer enteignen. Es geht im Gegenteil um einen Beitrag für mehr Fairness in der Gesellschaft, mit dem sich auch Österreichs Schuldenberg sozial verträglich abbauen ließe. (András Szigetvari, DER STANDARD, 14.1.2014)

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