"Bundesanleihen gehen jeden von uns etwas an"

13. Jänner 2014, 18:17
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Jeder, der eine Lebensversicherung oder andere Pensionsvorsorge hat, hat auch Anleihen der Republik Österreich

Wien - Die Republik Österreich hat derzeit knapp 194 Milliarden Euro Schulden. Umgelegt auf die Einwohner beträgt die Last pro Österreicher 23.017 Euro. Zum Vergleich: 1993 waren es noch 10.184 Euro. Verwaltet wird diese Schuldenlast von der Oesterreichischen Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA), die via Anleihen Geld für die Republik und den Schuldendienst aufnimmt.

Die Zinszahlungen der Republik an ihre Gläubiger haben sich seit 1993 (damals wurde das Schuldenmanagement des Bundes an die OeBFA ausgelagert) vervierfacht, wie OeBFA-Chefin Martha Oberndorfer am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten sagte. 2012 lagen diese Zahlungen bei 886 Mrd. Euro. Mit knapp 13 Mrd. Euro wurde im Vorjahr (im Oktober) auch die größte Einmalzahlung der Republik geleistet.

Gekauft werden die Staatsanleihen hauptsächlich von institutionellen Investoren wie Fondsgesellschaften oder Versicherungen. Jeder, der eine Lebensversicherung, einen Fonds oder sonst ein Produkt für die Pensionsvorsorge hat, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Staatsanleihen. "Bundesanleihen gehen daher jeden von uns etwas an", sagte Oberndorfer. Von daher könne sie das geringe Wissen über diese Papiere nicht verstehen.

Laut einer aktuellen GfK-Umfrage, habe sich in den Jahren der Finanzkrise das Wissen über verschiedene Anlageformen zwar verbessert - auch die Bekanntheit von Bundesanleihen sei gestiegen. "Was das Detailwissen über Risiko und Ertragsstärke eines Investments anlangt, klaffen immer noch große Lücken", sagt Oberndorfer. Die Bekanntheit von Bundesanleihen sei von zwölf Prozent (Stand 2010, als die Umfrage zum ersten Mal durchgeführt wurde) auf nun 21 Prozent gestiegen. Bei der Gruppe der unter 19-Jährigen kennen nun 31 Prozent (2010: zwei Prozent) Bundesanleihen.

Zeichnen können Herr und Frau Österreich Bundesanleihen auch direkt über Bundesschatz.at. Laufzeiten von einem Monat bis zu zehn Jahren stehen zur Verfügung. Waren am Höhepunkt der Finanzkrise die Bundesschätze begehrt - im Oktober 2008 reichte die Kundenschlange bis vor die Türe -, so ist das Interesse nun überschaubar. Rund zwei Prozent der Staatsschulden wurden über diese Plattform verkauft. In Deutschland wurde die Ausgabe von Bundesschatzbriefen per Ende 2012 eingestellt. In Österreich denke man laut Oberndorfer nicht daran, dieses Service einzustellen.

Rund 30 Prozent der von der OeBFA ausgegebenen Anleihen (und damit der Staatsschulden) halten inländische institutionelle Investoren, der Rest ist im Ausland platziert. Frankreich, Deutschland, Großbritannien und die Schweiz sind die wichtigsten Abnehmerländer für Österreich. Jeweils rund fünf Prozent der Anleihen wurden bisher in Asien und den USA gezeichnet.

Republikanleihen international zu platzieren ist laut Oberndorfer aktuell kein Problem. Analysten würden den heimischen Leistungsbilanzüberschuss schätzen. Zudem stehe das Land bei der Wettbewerbsfähigkeit und bei der Zahl der Beschäftigten gut da. Das Rating sei immer noch ein sehr wichtiger Faktor, wenngleich Ratingagenturen mittlerweile kritischer beäugt würden. Rund 400.000 bis 500.000 Euro gibt die OeBFA jährlich für das Rating bei den vier Agenturen Fitch, Moody's, Standard & Poor's und die kanadische DBRS aus. (bpf, DER STANDARD, 14.1.2014)

  • Martha Oberndorfer ist Herrin über die Staatsschulden.
    foto: apa/herbert neubauer

    Martha Oberndorfer ist Herrin über die Staatsschulden.

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