Die ganz normale Krisensitzung

13. Jänner 2014, 18:11
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Beschwichtigungen und Tee aus dem Kofferraum

Nächtens in Wien-Meidling. Um 1.11 Uhr trat Michael Spindelegger im Springer-Schlößl, in dem die Politische Akademie der Volkspartei ihren Sitz hat, vor die Journalisten. "Guten Morgen!", grüßte der Parteichef die rund 30 Journalisten, die in der Kälte ausgeharrt hatten. Spindelegger soll die Vertrauensfrage stellen, hieß es vor der Sitzung. Dieser beschwichtigte danach: Krisensitzung? - Welche Krisensitzung? Es habe sich um ein normales Treffen im Kreise der Landesobleute und Bünde-Chefs gehandelt. Lediglich die Uhrzeit sei besonders - aber diese sei durch die Amtseinführung des neuen Bischofs von Salzburg zu erklären. So ein Treffen finde alle vier bis sechs Wochen statt.

Kein Grund zur Aufregung, wollte der Parteichef vermitteln. Er habe weder Vertrauensfrage gestellt, noch wurde sein Vertrauen infrage gestellt. Flankiert wurde Spindelegger von einem Trio aus Klubobmann Reinhold Lopatka, seinem Finanzstaatsekretär Jochen Danninger und ÖVP-Generalsekretär Gernot Blümel.

Weniger auskunftsfreudig gab man sich freilich in den Stunden davor. Die anwesenden Reporter durften das Gelände der ÖVP-Akademie nicht betreten und mussten das Eintreffen der Volksparteigranden in der Nacht vom Gehsteig aus beobachten - Securitys wachten freundlich, aber penibel darüber, wer Eintritt bekam und wer nicht. Selbst der ORF musste seinen Liveeinstieg in der Zeit im Bild auf der Straße machen.

Von 21.00 Uhr an trafen die ÖVP-Spitzenpolitiker in dunklen Limousinen ein, Spindelegger selbst war einer der Ersten. Stellungnahmen gab es kaum. Manch einer hatte eine besonders besorgte Miene, telefonierte oder malte gar im Auto. Einzig der Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner fuhr mit dem Taxi vor und stieg direkt vor den Journalisten aus. Der Parteichef habe geladen, er erwarte sich intensive Gespräche, blieb der zuletzt aufmüpfige Landeschef wortkarg. Wallner fordert vehement Reformen in der Bildungspolitik ein.

Kurz nach 22.00 Uhr begann die Sitzung, die knapp drei Stunden dauern sollte. Für die Journalisten hieß es warten. Aus einem Kofferraum heraus schenkte die Volkspartei immerhin Tee aus. Am Ende blieb alles wie immer. Der Parteiobmann blieb Parteiobmann. Und die Volkspartei beschäftigt sich wieder einmal mit der Volkspartei. Bis zur nächsten ganz normalen Nachtsitzung. (Sebastian Pumberger, DER STANDARD, 14.1.2014)

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